Fixe Veränderung gefordert

FixierungDAus der Rubrik „Ich-glaub’-es-nicht“, heute: ein fossiles Thema in der Pflegekonferenz!
Wieder mal die Erfahrung, dass in dem Saal des Rathauses das Mobiliar so eng steht, dass du direkt neben der Tür stehen wirst, wenn du nicht vor Beginn da bist und nicht eine ganze Reihe von Leuten dazu bewegen willst, aufzustehen, um vorbeizukommen. Und die Mühen, damit ich die Konferenz weniger spannend als „fesselnd“ fand.

Ich war gespannt auf den Punkt „Initiativen zur Vermeidung von Fixierungen in Einrichtungen“ und war schockiert darüber, dass man es heutzutage als notwendig ansieht, bei einer Pflegekonferenz die Vermeidung von Fixierungen anzusprechen. Ich dachte, diese Problematik gäbe es gar nicht, denn Fixierung wird vielleicht in Ausnahmefällen nicht unumgänglich sein, aber dass bereits jetzt weitgehendst drauf verzichtet wird, zig Jahre nach dem Projekt ReduFix.

Wenn die Argumentation für eine Fixierung Schutz vor eigenen Verletzungen oder Verletzungen anderer ist, dann stellt sich mir die Frage, ob Aggression nicht geschürt wird durch die physische Einschränkung. Auch ist das Fallrisiko meiner Meinung nach kein Argument für eine Fixierung, da die Muskulatur durch das Fixieren abgebaut wird und das Fallrisiko wird im Grunde verstärkt, weil zusätzlich auch der Gleichgewichtssinn verkümmert. Eine weitere Folge, wie ich es aus eigener Erfahrung weiß, kann die Verstärkung von Kontraktionen sein, wenn man einzelne Glieder durch die Fixierung zu „bändigen“ versucht. Dies ist für Betroffene sehr schmerzhaft und in meinem Fall war das sogar so, dass durch einen Zufall entdeckt wurde, dass es möglich ist, darauf zu verzichten, weil ich vergessen hatte, die Fixierung für meine Beine bei einer Hilfsmittelbestellung zu nennen.
Zusätzlich kann es auch sein, dass neben den Auflagen der Krankenkassen und dem Wunsch der Angehörigen zur Fixierung gegriffen wird, da es einfacher für das überforderte Personal wird.
Was ich damit sagen will: man muss sich dessen bewusst werden, dass so eine Vorgehensweise nur auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie letzendlich schnurstracks in einen Teufelskreis aus Aggressionen und Sturzgefahren führt die eine Fixierung unvermeidbar machen.

Ich kann nachvollziehen, dass man Angst hat, behindert zu werden und dass man deshalb unbeholfen mit dieser Thematik umgeht, es trifft ja auch immer die Anderen. Denn wenn man nämlich schön beim Überqueren der Straße auf die Autos achtet, wird man wohl nicht zum Behinderten. Aber dieses auf sich achten führt konsequent zu einem hohen Alter, was jeder anstrebt und die Gesellschaft nicht abwenden kann. Alter umgibt uns alle davor können wir die Augen nicht verschließen. Ich habe mal gehört, dass man niemandem das antun soll, was man selbst nicht erfahren möchte. So glaube ich, aus einem schlechtem Gewissen und aus dem Bewusstsein, an dieser Stelle nicht richtig zu handeln, rührt die Angst vor dem eigenen Alter. Unsere Gesellschaft tut sich schwer damit, auch mit dieser Personengruppe würdevoll umzugehen.

Bei allen Bemühungen: es fehlt an Bewusstsein. So habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich bei der PowerPoint Präsentation zum oben genannten Punkt einen älteren Mann auf einem Foto gesehen habe, der dank seiner Polsterungen aussah, als ob er gleich skaten gehen wollte. Jetzt kenne ich diesen Mann nicht und weiß nicht inwieweit Schoner, Helm notwendig sind und wahrscheinlich ist es besser, als Ihn an den Stuhl anzubinden. Was mich störte, war, ob man Ihn im Pyjama fotografieren musste und ob ein Pyjama, der von Natur aus Attraktivität versprüht, nicht besser aussehen würde, wenn Hose und Oberteil zusammenpassen würden. Zusätzlich war ein Dekolette zu sehen, was ich mich nicht trauen würde zu zeigen. Und ich hoffe, dass es an meiner Perspektive lag, dass der Mann eine graue Gesichtsfarbe hatte und unrasiert wirkte. Man tut diesen Menschen keinen Gefallen, sie so darzustellen und ich könnte mir zusätzlich vorstellen, dass es schwierig ist sich gegen Unannehmlichkeiten zu wehr zu setzten, wenn man damit beschäftigt ist, mit der eigenen Situation zurecht kommen zu müssen. Aber was vielleicht noch schlimmer für die Gesellschaft ist, es erzeugt ein Bild eines nicht lebenswerten Lebensabschnittes und damit aus der Gleichgültigkeit in den Teufelskreis.

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2 Gedanken zu „Fixe Veränderung gefordert

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