Planes – mehr als eine Filmkritik

687572_web_R_by_Uwe Schlick_pixelio.deIch war mal wieder mit meinem Sohn im Ufa-Palast am Hauptbahnhof und wir haben uns nicht „Final Destination die 20ste“ angeguckt, sondern wie so häufig musste es ein Kinderfilm sein. Diesmal war es „Planes“.  Die Geschichte von einem Sprühflugzeug, was den Traum hat, an einem Rennen teil zu nehmen. Am Kino angekommen, in guter Tradition; zu spät, schnell noch ein Ticket kaufen. Eine weitere Tradition, zugunsten des kindlichen Selbstbewusstseins, darf das Kind die Tickets kaufen. Einmal Rollstuhlplatz und einmal Begleitperson, wie immer halt. Auch traditionell sind die Einlagen der Kartenverkäufer, die teilweise unterhaltsamer sind, als der eine oder andere Film. Wie z.B. „der Rollstuhlplatz ist aber ganz vorne, wo willst du sitzen, oben oder bei deiner Mama?“ Wo sollte denn ein Kind sitzen? Warum fragt man so etwas? Wenn wir schon zusammen ins Kino gehen, dann müssen wir nicht noch neben einander sitzen? An dieser Stelle kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass vielleicht andere meine Intention der Stärkung des Selbstwertgefühls meines Sohnes nicht wieder erkennen, sondern dass das vielleicht  wie Kinderarbeit in einem Bertreuungskonzept wirkt. Leider ist in diesem Zusammenhang meine Rolle wohl die des Zubetreuenden.

Diesmal weniger unterhaltsam aber um so mehr seltsamer; Kinder können keine Begleitpersonen sein. Vorbei die Zeit, zwei Tickets zum Preis von einem. Ich habe mich schon seit längerem gefragt, wie ich damit durchkomme, aber was mein Budget freut, freut auch mich. Angeblich ein neues Gesetz. So neu, dass das allwissende Google noch nichts davon weiss. Auch so neu, dass die Positionierung und der Gültigkeitszeitpunkt wohl noch nicht festgelegt werden konnten. Zumindest konnte mir die Mitarbeiterin dies nicht nennen. Somit kosteten meine  Tickets keine 7 , sondern 14 Euro. Ich hatte keine Zeit mich darüber aufzuregen, da sich das nächste Problem ergab. Kann man mir überhaupt Tickets verkaufen, wenn ich keine Begleitperson hab? Es könnte ja, wer weiss was passieren. Obwohl das was Neues wäre, denn seitdem ich mir in diesem Kino „Titanic“ in der ersten Spielwoche angesehen habe, ging noch nie was schief. Aber ich werde auch nicht junger. Nach der Unterredung mit anderen Mitarbeitern wurde mir der Erwerb von Kinokarten gestattet. Mir fehlten die Worte und hätte ich es meinem Sohn nicht versprochen, so wäre ich gegangen. Vielleicht hätte ich es tun sollen, trotz des drohenden Anfalls. Denn nach 15 Jahren durfte ich jetzt nicht alleine mit dem Aufzug fahren. Mein Sohn hätte mir ja im Zweifelsfall als Kind nicht helfen können. Was hätte denn alles passieren können? Wenn der Aufzug abgestürzt wäre, hätte mir auch kein anderer helfen können. Wenn der Aufzug steckengebliben wäre, hätte die achso nötige Begleitperson den Alarmknopf drücken können. Dabei bilde ich mir ein, ich hätte es auch selbst tun können. Was hält ein Mensch von mir und meinem Geisteszustand, wenn er mir nicht mal das zutraut? Mein Sohn diskutierte noch herum, ich war immer noch sprachlos. Anschließend konnte ich nicht alleine zum Kartenabreißer gehen, die überfürsorgliche Servicekraft begleitet mich auch hierhin, um zu sagen, in welches Kino ich müsste.

So saß ich da in einem riesigen Kino in der ersten Reihe, mein Sohn sprach mal mit mir, mal mit der Leinwand. Mir war so schlecht vor Wut, dass ich noch nichtmal Nachos essen wollte. Auch hier kann man es positiv sehen, die Figur hat´s gefreut.  Und ich schaute mir den Film an über einen kleinen Helden, der aus der Norm fällt, nicht aufgibt, auch wenn es noch so schwer ist, gegen all die Widerstände anzukämpfen. Spott und Diskriminierung aufgrund physischer Restriktion gepaart mit Unverständnis, Ausgrenzung, geprägt von Vorurteilen… Ich könnte stundenlang so weiter machen. Die Frage ist, wie realitätsnah sind diese Filme? Und haben sich am Ende alle immer lieb? Egal wo und wie sie herkommen?

Was kann ich von diesem Sprühflugzeug lernen? Nichts. Vielleicht soll es mir als Inspiration für Durchhaltevermögen dienen. Auf der metaphorischen Ebene habe ich meine Zweifel. Ist ein Sprühflugzeug ein Sprühflugzeug, wenn es sich die Sprühvorrichtung abmontieren lässt? Und was heißt es für mich? Gott sei Dank ist der Rollstuhl nicht an mich angeschraubt, leider kann ich ihn deshalb nicht so einfach loswerden. Vielleicht ist es auch als Abschluß mit dem alten Leben gemeint, der Beginn von was Neuem? Ich werde mir erstmal  die Zeit nehmen darüber nachzudenken, ins Kino gehe ich erstmal nicht mehr.

(Foto: Uwe Schlick  / pixelio.de)

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2 Gedanken zu „Planes – mehr als eine Filmkritik

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