Angemessen und nicht

506205_web_R_K_B_by_Susanne Schmich_pixelio.deIch bei McDonalds. Ich bin selbst jedes Mal überrascht. Nur mal ein kleines Eis. Das erste Bedauern bereits in der Warteschlange.  Ich frage mich, wie viele Wochen, Monate ich dahin gehen und mich auf ein McFlurry mit Daim freuen werde. Seit wie vielen Jahren gibt es den  nicht mehr? Aber wenn man schon mal da ist… Völlig überfordert wünsche ich mir so was wie eine Karte. Ein McFlurry, ich erinnere mich mal gelesen zu haben, hat fast genau so viele  Kalorien wie ein kleines Eis. Ich überlege hin und her, die Schlange wird kürzer, der Druck größer. Plötzlich werde ich von der Seite angesprochen, erschrecke mich und werde meiner existenziellen Entscheidung entrissen… Ich sehe ein Mädchen mit Down-Syndrom und kriege mich ein. Vielleicht heißt es nicht mehr Down-Syndrom, aber ich glaube nicht, dass es besser wird wenn man das alle paar Jahre umbenennt. Sie wollte wissen, wozu das Teil am Rollstuhl ist und was die Lichter sollen. Mal zur Abwechselung erfrischend, normalerweise kriegt man eher mit, dass Kinder blass werden, große Augen bekommen, sich hinter der Mutti verstecken und die versucht es, peinlich berührt, leise, so dass man es nicht merkt, zu erklären. Dabei glaube ich, ich könnte es besser erläutern.

Noch schockierender als meine Faulheit, den gerade angesagten politischkorrekten Ausdruck für die oben genannte Behinderung nicht rausssuchen zu wollen, war, dass die ältere Frau, die das Mädchen begleitete, andere gefragt hat, was sie essen will. Als stiller Beobachter kann ich nicht beurteilen, ob es Cousinen, Schwestern oder was auch immer waren. Gut war jedoch die Antwort, sie solle, sie doch selbst fragen. Nicht wirklich gut, denn es sollte doch selbstverständlich sein. Ich hoffe für das Kind, dass es nicht die Oma oder ähnliches war. Oder sollte ich das eher für die Frau hoffen? Es ist nicht einfach, sich andauernd in einer Situation zu befinden in der man sich überfordert und nicht wohl fühlt. Als ich das letztens in einem Film gesehen habe, dieses „Reden über“ und nicht „Reden mit“, witzigerweise noch in einer ähnlichen Situation, hielt ich das für ein verzweifeltes Ringen nach Aufklärung ohne „Wissen wie“. Schön zu sehen, dass Klischees auch nicht weglaufen können und gruselig, dass sie ein Fünkchen Wahrheit haben.

Und das Verhalten dieser Frau lässt meine Hoffnung schwinden, dass meine eigene Oma sich irgendwann nicht  nach meinen Betreuerinnen, sondern nach meinen Assistentinnen erkundigt. Und ich hoffe schon fünf Jahre.

(Foto: Susanne Schmich  / pixelio.de)

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