Ungünstige Eigenwerbung

373196_web_R_by_pauline_pixelio.deMan könnte fast meinen, das Leben sei unheimlich traurig, wenn man behindert ist. Aber es gibt so manche Sachen, denen würde man wahrscheinlich nicht begegnen, wäre man nicht behindert. Nein, ich meine nicht, wie so oft die Ignoranz der Architekten, nein, diesmal meine ich Bewerbungen, Bewerbungen die an mich gerichtet sind. Wie bewirbt man sich bei mir, wie bewirbt man sich bei einer behinderten Frau als Assistentin? Eigentlich sind meine Ansprüche gar nicht so hoch, aber scheinbar gibt es doch viele Stolpersteine. Ich weiß nicht, ob es am Privathaushalt liegt, oder an diesem Phänomen, dass man Behinderte gerne duzt. Auf jeden Fall sehe ich ganz oft, dass vor dem Duzen in einer Bewerbung kein Halt gemacht wird. Und auch wenn diese behinderte Frau, die die Anzeige schaltet, explizit nach weiblichen Assistenten sucht, heißt das ja noch lange nicht, dass man sich als Mann nicht bewerben kann. Dass in der Anzeige ein fester Stundenlohn angegeben ist, heißt nicht, dass man nicht eigene Vorschläge unterbreiten kann. Dass auch genannt ist, dass es sich um 24 Stunden handelt, heißt nicht, dass man sich nicht bewerben kann, wenn man jeden Tag von 14 – 18 Uhr zur Verfügung stehen könnte.

Jetzt gibt es so viele verschiedene Bücher und Seiten im Internet zum Thema „Bewerbung“. Die Tipps müssen da wohl einigen Bewerbern zu konventionell sein. Ich habe wirklich, ich schwöre es, mal eine Bewerbung gehabt, da war ein Foto angehängt, da stand sie vor einer Spülmaschine und hat sie ausgeräumt. Da man sich bei mir per Email bewirbt, fallen ja Fettflecken weg, Rechtschreibprüfung ist auch behilflich. Trotz allem kann man sehr viel Kreativität entwickeln bei der Formulierung selbst. Mir fallen jetzt so viele Beispiele ein, dass ich nicht weiß, welches ich als erstes nennen soll. Vielleicht werde ich irgendwann mal auch einen Beitrag zu dem Thema machen. Mein Gott, bei manchen Bewerbungen wünschte ich, ich könnte sie in einer gesonderten Kategorie veröffentlichen, damit der Leser sieht, mit was ich teilweise konfrontiert werde. Wenn mir eine Bewerberin von ihren emotionalen Problemen erzählt und mir nach wiederholtem Lesen später auffällt, warum sie meint, dies als Bewerbungsgrund angeben zu müssen. Vielleicht, aber nur vielleicht, ist die Idee dahinter, dass wir Leidensgenossen sind, sie mit ihrer Psyche, ich mit meiner Behinderung. Oder man erzählt mir von seinen Haustieren, oder man schlägt mir Ausflüge vor, die man gemeinsam machen könnte. Die eine oder andere ungünstige Bewerbung sorgt für Lachanfälle. Es klingt manchmal wie in einer aufgesetzten Freundschaftsanfrage, perfekt für Facebook, leider kann man das bei Facebook, wie ich letztens erfahren musste, nicht machen.

Weiter bekam ich durch eine Bewerbung die Inspiration, vielleicht einen eigenen Blog, oder eine Internetseite zum Thema „Wie promote ich meinen Blog“ zu starten. Ich bin auf eine zusätzliche Werbemöglichkeit gestoßen, die noch nirgendwo präsentiert wurde. Man kann sich auch irgendwo bewerben und dazu schreiben, „Wenn man einen noch besseren Eindruck bekommen will: Hier mein Blog!“. Wenn einer da draußen meint, das wäre eine dumme Idee, dann frage ich mich, warum ich das immer wieder in Bewerbungen lesen kann. Aber vielleicht liegt es auch an einer intärlecktuellen Einschränkung meinerseits, dass ich die Notwendigkeit einer fotografiebegabten Assistentin mit einer eigenen Fotografie Homepage nicht einschätzen kann.

(Foto: pauline  / pixelio.de)

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