Isolierte Teilhabe

KreiseIsolierteTeilhabemitDBei jeder Veranstaltung die Frage, mit oder ohne Assistenz. Wenn ich die Assistentin mitnehme, verkommt sie ganz schnell zu meinem siamesischen Zwilling, schlimmer noch, wenn ich zu ihrem siamesischen Zwilling werde. Man glaubt gar nicht, wie oft ich die Erfahrung mache, dass gerne versucht wird, mit meinen Assistentinnen darüber zu reden, dass man selber auch schon mal Zivi war, oder in einem Altenheim ausgeholfen hat. Und ich stehe daneben. Es ist eigenartig, aber die Assistentinnen finden das auch nicht aufregend, regelmäßig zu hören, dass man selbst so einen Job nicht tun könnte. Deshalb ist es einfacher, wenn von Anfang an geklärt ist, dass die Assistentin zwar dabei ist, aber nicht an der Situation teilnimmt. Man muss sich vorstellen, dass ich niemals alleine bin, immer die Assistentin an meiner Seite. Wenn sie also an sämtlichen Unterhaltungen teilnehmen würde, dann wäre meine Teilnahme an allen Gesprächen eingeschränkt. Dazu kommt noch, dass es ja nicht nur eine Assistentin gibt, die von ihrem Leben erzählt und damit wäre die Sache erledigt. Es gibt viele Assistentinnen die immer im Wechsel kommen. Somit wären die Geschichten immer neu und damit spannender als meine. Davon mal abgesehen, dass der Gesprächspartner mit mir Erfahrungen gesammelt haben muss, oder die Berührungsängste überwinden. Daher saß ich in der Anfangszeit meiner Assistenzerfahrung regelmäßig da und konnte entweder den Gesprächen lauschen, oder mir darüber Gedanken machen, wie ich dieses Problem beseitige.

Es gibt auch Momente, wo die Assistenz auch an ihre Grenze stößt. Wenn ich zum Beispiel mit einer Freundin Kaffee trinken gehe, die selbst nicht in der Lage ist mir zu helfen, oder die ich nicht darum bitten mag, ist es für mich eine trockene Angelegenheit. Im Grunde ist die Idee in der Assistenz auch die, dass man nicht immer um Hilfe betteln muss. Natürliche bekomme ich von allen Hilfe angeboten, aber so nett das auch ist, man muss verstehen, dass es unangenehm ist, Hilfe dauernd anzunehmen. Das ist nicht persönlich. In solchen Momenten nervt man sich selbst, oder die bewusstwerdende Unfähigkeit. Was sicher auch unterhaltsam wäre, leider nur für diejenigen, die nicht selbst betroffen sind, wenn man eine Assistentin zum Date mitnehmen würde. Und weil es für mich nicht unterhaltsam wäre, lasse ich lieber die Finger davon. Wenn die Assistentin also zu Hause bleibt, hat man im Grunde die Wahl, ob man den Gegenüber um Hilfe bittet und wie erwähnt, ich steh da nicht so drauf, oder ein äußerst heißes Date verbringt, auch wenn das an der Winterjacke liegen mag. Fazit: Es ist wohl besser, Verabredungen in die Sommermonate zu legen.

Manchmal gibt es auch Momente, da geht es nicht ohne. Und teilweise ist es sogar besser, oder es kommt einem besser vor, eine Assistentin dabeizuhaben. Wenn ich mich in einem Raum befinde mit Menschen, die ich nicht kenne, so bin ich nicht allein. Ich kann mich immer noch mit der Assistentin unterhalten, wenn alle Stricke reißen. Auch wenn Themen, wie die Dienstplangestaltung, Urlaubstage oder die To-Do-Liste für die aktuelle Schicht nicht unbedingt der Veranstaltung dienlich sind. Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, der auf lange Sicht sicher noch unvorteilhafter ist. Es wird mich niemand ansprechen, wenn ich völlig vertieft in einem Gespräch bin. Ich isoliere mich unbewusst in solchen Momenten selbst. Aber einen ganzen Abend auf dem Trockenen sitzen in einer dicken Jacke? Und Hilfe von Fremden anzunehmen? Ich weiß nicht, vielleicht bin ich nur zu stolz, aber ich könnte mir vorstellen, dass andere auch in diesen Moment nicht mit mir tauschen wollen würden. Dennoch, zurück zur Ausgangsidee in der Jacke, auf dem Trockenen, zumindest knüpfe ich so Kontakte und entfliehe meiner kleinen Welt mit ewig denselben Gesichtern. Mittel und Wege sind egal, wenn es um ein höher gelegtes Ziel geht. So bekomme ich doch noch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und das ist doch die Hauptsache, oder?

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