Todlecker

SAMSUNG CAMERA PICTURESLieferheld. Ich weiß eigentlich gar nicht genau, was das eigentlich ist, weil die Idee, dass es einen Lieferanten für so ziemlich alles gibt, ziemlich abwegig ist. Wenn ich Pizza bestellen will, rufe ich in der Pizzeria an. Ich habe zu Zeiten, als es solche Möglichkeiten noch nicht gab, dies nicht vermisst. Aber vielleicht ist es nicht ausschlaggebend. Für Romeo und Julia hätte es sicher ein ganz anderes Ende genommen, wenn es Handys gegeben hätte, auch wenn sie nicht vermisst wurden. Jetzt habe ich noch kein einziges Mal zum Telefon gegriffen, aber ich habe mir Gedanken gemacht und bin zum Entschluss gekommen, dass ich hoffe, mich geirrt zu haben. Die Werbung ist anders, aber sicher nicht gut. Am Anfang sieht man einen Priester im Gefängnis, der vor sich hin … was ein Priester halt so tut. Vor ihm sitzt ein Häftling an einem Tisch. Ich weiß nicht wieso, aber mein erster Eindruck war „Henkersmahlzeit“. Der Häftling bestellt übers Internet, dann bricht der Lieferheld-Lieferant durch die Gefängnismauer… Der Häftling guckt zum Loch in der Wand rüber, zuckt mit den Schultern und isst weiter. Warum konnte man es bei der Idee, dass er jetzt fliehen könnte, aber nicht will, nicht belassen, das wäre zumindest witzig, also witzig, für Leute, die aus dem Gefängnis ausbrechen als witzig empfinden. 

Aber wer findet eine Henkersmahlzeit witzig? Sie geht der Hinrichtung voraus und da ist spätestens nichts mehr witzig. Gott sei Dank, ist das ein Trend der aus Amerika noch nicht zu uns rüber geschwappt ist. Wobei, das hatten wir doch auch schon mal und dann haben wir uns weiter entwickelt. Und die USA blieb irgendwo in der Zahn-um-Zahn-Zeit. Vielleicht sollten sich die Amis an uns ein Beispiel nehmen und nicht umgekehrt. Aber für einen Richtungswechsel braucht man Orientierungsvermögen und das Bewusstsein, in die falsche Richtung zu gehen. Na ja, das System steckt ja noch in den Kinderschuhen und auch wenn die Schritte, die es bis hier hin gemacht hat groß waren, so hat es noch einen langen Weg vor sich.

Die Pizza als eine Metapher für die Zeit, in der die Welt noch eine Scheibe war? Ich wage zu bezweifeln, dass das die Absicht war. Und sogar wenn, es wäre immer noch flach gewesen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass da auch etwas anderes kritisiert werden sollte. Ich hätte gerne diesen Text mit „Oh Gott, ich hoffe, ich habe mich geirrt.“ beendet. Aber bei der Recherche für den Text musste ich mir den Werbespot im Internet nochmal raus suchen. Und leider, leider, leider, allen Hoffnungen zum Trotz, mein erster Eindruck bestätigte sich. In einer längeren Version ist es noch eindeutiger. Bei Lieferheld.de werde ich nach dieser Geschmacklosigkeit sicher nicht vorbei schauen, die Lust auf Pizza ist mir aber nicht vergangen und selbst gemacht schmeckt immer noch am besten.

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