Verkehrt ???

673965_web_R_B_by_Jörg Brinckheger_pixelio.deMir ist letztens ein Flyer von einer Veranstaltung eines Behindertenvereins in die Hände geraten. Da sollte es um behinderte Menschen gehen, die sich vor ein Publikum stellen und über ihre Sexualität sprechen. Ich weiß es nicht. Ich für meinen Teil bin eher so der learning-by-doing-Typ. Vielleicht bin ich die falsche Person um eine solche Veranstaltung zu beurteilen. Glücklicher Weise bin ich nicht mehr in der Position, meine Sexualität offenbaren zu müssen, denn durch meine Sexualität muss ich mittlerweile zu Elternabenden. Ich weiß auch nicht, ob das öffentliche berichten davon wie und wo und aus welcher Richtung man gerne angefasst wird, wirklich andere was angeht oder davon überzeugt, dass man tatsächlich sexuell aktiv ist. Wenn ich jetzt behaupten würde, ich betreibe Stabhochsprung, und ich hoffe, es wird jetzt nicht als sexuelle Anspielung genommen und wenn doch, was soll’s, dann würde mir das wahrscheinlich auch keiner glauben, der partout davon überzeugt ist, das es nicht möglich ist. Da könnte auch meine Sprache so blumig sein, meine Beschreibungen noch so bildlich, ich könnte diesen Jenigen nicht überzeugen. Ignoranz pflanzt sich leider immer wieder fort und sie ignoriert, dass sie nicht gewollt ist. Und wenn ich doch diese Überzeugungsfähigkeiten hätte, dann wüsste ich hoffentlich sie gewinnbringender zu nutzen.

Kann man das soweit verstehen, was ich meine? Eine andere Sache ist, wenn man Nichtbehinderte beobachtet, dann stellt man fest, so viel wird darüber auch nicht gesprochen, weil es eine Selbstverständlichkeit ist. Ein kleiner Teil tut es dann doch, aber wenn man das objektiv betrachtet, dann wirkt es auch schnell schmuddelig. Der Grad ist schmal und ist schnell überschritten. So habe ich irgendwann mal eine interessante Sendung gesehen, auf dem selbsternannten Frauensender SIXX . Die Sendung hätte mir eigentlich gefallen müssen, der Titel war doppeldeutig: „Paula kommt“. In den paar Minuten in denen ich die Sendung gesehen habe, wurde eine Frau zum Thema „Selbstbefriedigung“ interviewt, die es für nötig gehalten hat, ihre Lieblingsstellung nachzustellen. Und Paula selbst erzählte von den zur Masturbation verwendeten Taschentüchern ihres Sohnes. Ist das wirklich Aufklärung? Egal, auf jeden Fall kommt Paula jetzt nicht mehr. Zumindest nicht mehr im Fernsehen. Und so kommt es mir nicht mehr hoch. Und ehrlich, vergleichsweise dazu war ich dann auch froh, dass meine Eltern in der prüden Abteilung angesiedelt waren. Wobei, wäre ein Mittelweg nicht, wie so oft, das Beste? Dann ist es zusätzlich interessant zu sehen, ob derjenige sich nicht etwas beweisen will. Sind wir nicht über die Tabuisierung hinaus und muss noch für die Enttabuisierung der Sexualität gekämpft werden, oder versucht man durch den offensiven Umgang mit seiner Sexualität auf sich aufmerksam zu machen.Wenn man ehrlich ist, behindert oder nicht, solche Menschen sind eine Faszination. Aber lernt man wirklich was daraus? Dies wage ich zu bezweifeln.

Drüber reden schön und gut, aber dies allein wäre unbefriedigend. Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht mir dessen bewusst bin, was ich schreibe, aber ich bin sehr davon überrascht, wie simpel es sich anbietet zweideutig zu werden. Es fliegt einfach zu. Und vielleicht ist das auch das Geheimnis. Weniger darüber reden, weniger darüber nachdenken, es einfach geschehen lassen, sich nichts absprechen lassen.

(Foto: Jörg Brinckheger  / pixelio.de)

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Ein Gedanke zu „Verkehrt ???

  1. Wenn Sexualität so einfach wäre, gäbe es nicht so viel Redebedarf. Und das mit der Ignoranz solltest du vielleicht nochmal ganz persönlich im Bezug auf das Thema überdenken. Und vielleicht auch nochmal so zur Erinnerung. Sexualität von Menschen mit Behinderung ist immer noch ein Tabu in der Gesellschaft. Und darüber reden hilft vielleicht es zu entabuisieren. Vielleicht solltest du dich auch mehr mit der Thematik an sich befassen, dann könnte dein Tenor dazu zumindest ein bisschen neutraler sein.

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