Fluch des Segens

SAMSUNG CAMERA PICTURESOder umgekehrt. Wenn man sich die Sache mit der Vertreibung aus dem Paradies betrachtet, so klingt das erst Mal furchtbar. Aber wie wäre das denn in einer Utopie zu leben? Ich stelle mir das sehr langweilig vor. Ist jetzt nicht ganz so überraschend oder? Immer nur zu zweit aufeinander hocken und immer nur nett, oh Gott. Vielleicht schickte Gott selbst die Schlange, es war sicher auch furchtbar langweilig mit anzusehen. Obwohl zu sehen gabs wohl viel. Gibt es eigentlich Zeitzeugen, die Angaben zur Attraktivität der Protagonisten machen könnten? Weil, wenn wir doch ganz ehrlich sind, und ich möchte mich sicher davon nicht ausschließen, ist die Sache mit der Scham und die daher rührenden Kleidungsstile sicher vorteilhaft, um Unvorteilhaftes zu verbergen. Weiter ist der Zufall vorherbestimmt und ja, ich weiß, dass es ein Widerspruch ist. Eigenständiges Denken nicht möglich. Aber wenn wir doch ganz ehrlich sind, so sind wir alle schon mal mit der Überlegung konfrontiert worden, dass Denken eine reine Glückssache zu sein scheint. So wie der Lottogewinn, der Eine schafft es, der Andere ein Leben lang nicht.

Aber zurück zu dem Fluch, der aus dem Segen folgte. Kommunikation, mobile Kommunikation. Erst einmal ganz gut. Wo bist du? Ich werde mich verspäten. Ich will dich nicht mehr sehen, aber ich will dir das nicht ins Gesicht sagen. Ich selbst habe auch ein Handy, um ehrlich zu sein, ist es mehr ein Walkman, mit dem man auch noch telefonieren kann. Wenn man mit seinen Wurstfingern das Touchscreen bedienen kann. Bis auf die Sache mit der Musik überfordert mich alles andere. Ehrlich, ich habe zwei Wochen gebraucht, um herauszufinden, wie ich an die Tastatur komme. Ich weiß es nicht, ist es die Unbegabung für Technik, der Mangel an Freunden, aber irgendwie führt irgendwas in mir dazu, dass ich mein Handy nicht nutze. Was es auf jeden Fall nicht ist, ist dass ich Angst vor Strahlung habe. Dann dürfte ich auch nicht Bahn fahren oder sonst wohin, weil um einen herum wird nur noch telefoniert, gesimst oder wie man das heutzutage sonst nennt, ich glaube simsen ist schon tot oder? Als Außenseiter ist mir dennoch aufgefallen, dass umso teurer das Handy, desto unwichtiger sein Nutzer.

Umso weniger einer etwas zu sagen hat, desto öfter muss er telefonieren. So kommt es, dass man dann in der Bahn sitzt und Menschen wie folgt zufällig beobachtet. Man denkt sich nichts bei, die sitzen sich gegenüber, kennen sich nicht und spielen an ihren Handys. So wie mein Kopf immer im Takt wackelt. Und plötzlich fangen diese beiden an, auszudiskutieren wo sie denn aussteigen müssen. Oder man unterhält sich über was auch immer und der Gesprächspartner packt reflexartig nach seinem Handy und das nur weil es gerade Piep gemacht hat. Vielleicht liegt das aber nicht an einer Handysucht oder an der Unhöflichkeit meines Gesprächspartners, vielleicht sollte ich einfach meine Themenwahl überdenken. Uns ist doch jetzt klar, dass mir so was nicht nur in Situationen passiert ist, in denen nichts wichtiges zu besprechen war. Und ein Handy muss auch nicht unbedingt wie ein Baby auf sich akustisch aufmerksam machen, um getätschelt zu werden.

Meine Lieblingssituation mit einem Handy, das werde ich wahrscheinlich nie vergessen, war: Ich fahre mit dem Bus, ich will aussteigen, es passiert etwas unerwartetes. Ist jetzt noch Platz für einen Running Gag? Wiederholung zeichnet doch Running Gags aus. Muss ich erwähnen, dass ich in Bilk war? Es fing alles harmlos an, wie immer bei Running Gags in Bilk. Eine Mutter bringt ihr Kind zum Bus, süss. Und ich komme mir vor wie eine Rabenmutter, weil ich das für mein Kind nicht tue. Leider bringt sie ihr Kind zu der Türe, wo man eigentlich aussteigen soll, der Tür mit der Rampe. Wäre nicht so schlimm, aber dann bleibt sie stehen. Sie hat ihr Handy am Ohr und sagt ihrem Kind „Tschüss“ und bleibt stehen und spricht weiter und weil sie russisch spricht, kann ich nicht verstehen, ob sie weiter mit dem Kind spricht oder mit ihrem Handy. Und sie bleibt stehen und ich bin verwirrt. Dem Fahrer muss das wohl öfters passieren, denn er ist völlig unbeeindruckt, öffnet die Rampe, so dass sie zur Seite gehen muss. Und da merkt man wie bei ihr der Groschen gefallen ist. Das Gute am Handy ist, dass auch in so einem Moment man nicht aufhören muss zu telefonieren. Und jetzt die Frage: wollte diese Frau nur mit ihrem Handy Gassi gehen und das Kind, weil es zufällig in die selbe Richtung musste, durfte mitkommen? Vielleicht ist so jemand doch keine bessere Mutter.

Was man wohl alles verpasst bei der Unternehmung nichts zu verpassen? Was soll ich, ausgerechnet ich, dazu sagen. Teilhabe ist nicht alles. Vielleicht war das damals zu zweit weniger vielseitig dafür intensiver und trotzdem möchte ich nicht dahin zurück. Ist ein Vorschlag, einen Mittelweg finden zu müssen, überholt?

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