All-You-Can-Ertrag

480277_web_R_by_Dieter Schütz_pixelio.deSushi. Hatte ich schon mal erzählt, oder? Dass mir der Reis nicht aus den Ohren kommt, liegt wahrscheinlich nur daran, dass ich ihn nur in dieser Konstellation esse. Leider war nicht alles so frisch, wie der Fisch. Nein, der Reis war in Ordnung. Ich spreche von der Bedienung. Nein, ich will mich nicht darüber beklagen, dass mich keiner angemacht hat. Dennoch war die Fürsorge besorgniserregend.

Man kann das Ganze mit Humor sehen, schließlich hätte ich ohne meine Behinderung diesen Blog nicht. Und ohne lustige Menschen, die peinliche Dinge im Bezug auf meine Behinderung tun, wäre der Blog nur halb so gut gefüttert. So gut wie die das meinen, so meine ich das doch nur nett. Hier ein Beitrag von mir über eine überengagierte Bedienung.

Ich hatte eine Bestellung aufgeben wollen, jedoch, um so mehr Leute man am Tisch sitzen hat, desto mehr Diskussionsbedarf besteht. Jetzt will eine Bestellung doch gut überlegt sein, da muss man inne halten und das man alle 20 Minuten bestellt, muss nicht unbedingt bedeuten, dass man leichtsinnig mit seiner Entscheidung sein darf. So, vor dem endgültigen „Ok“ musste optimiert werden und ich sollte eigentlich „Abbrechen“. Dabei lief eine Kellnerin an unserem Tisch vorbei und drückte auf „Ok“ und schickte somit die Bestellung ab. Ich frage mich, wie eine Kellnerin dazu kommt, meine Bestellung für mich abzuschicken, ohne Vorwarnung und ohne Nachfrage, ob ich Hilfe benötige. Zumal ich die Auswahl zwischen „Abbrechen“ und „Ok“ nicht als große intellektuelle Herausforderung empfinde. Wobei für mich scheinen da andere Gesetze zu gelten. Sonderservice? Von so etwas habe ich noch nicht gehört. Endlich mal einer, der mich so besonders findet, wie ich.

Am Ende des Abends Kartenzahlung. Und auch hier auf mich zugeschnittener Service. Beim ersten Versuch die Pin einzugeben habe ich mich vertan, Asche auf mein Haupt. Die Reaktion der Kellnerin war, anstatt dass sie mich gebeten hat die Pin nochmals einzugeben, hielt sie das Kartenlesegerät meiner Begleitung hin und wies sie daraufhin, dass die Pin falsch sei. Mein Gegenüber konnte nur noch mit offenem Mund in meine Richtung gestikulieren. Meine Begleitung und ich, wir waren beide sprachlos und seit diesem Tage überlege ich was da wohl der Hintergedanke war, ich weiß es immer noch nicht. Bei allem Humor sehe ich wie jemand aus, der eine EC-Karte nicht zu bedienen weiß, einer Betreuung bedarf, entmündigt und nicht geschäftsfähig? Oder vielleicht deute ich das ganz falsch und im Sinne der Inklusion hat sie mich behandelt, wie jeden anderen auch. Vielleicht war das die Rache dafür, dass ich anstatt 10% auf den Rechnungsbetrag nur 5,58% Trinkgeld gegeben habe. Wär schlüssig, aber kontraproduktiv. Schließlich ist es mir ja in dem Moment nicht aufgefallen und wer weiß, ob ich da noch hingehen werde, nach so einer Behandlung oder ob mir der Appetit nicht vorher vergeht. Die Figur würde es freuen, wobei der rohe Thunfisch wird nicht unbedingt das Figurproblem ausgelöst haben.

Aber das ist mal wieder so ärgerlich, dass man im Nachhinein weiß, was man hätte tun sollen. Und das ist dann immer so genial, dass man im Nachhinein die perfekte Antwort hat, das perfekte Verhalten sich zurecht legen kann. All meine tollen Ideen im Nachhinein in einer Serie zusammengefasst könnten mich steinreich machen. Leider leide ich an Unspontanität. Was mir persönlich in der einen oder anderen Situation mehr ausmacht, als das mit dem behindert sein. Wie wärs denn zum Beispiel gewesen, wenn man ihr das Kartenlesegerät abgenommen, den Betrag korrigiert hätte auf den Rechnungsbetrag ohne 5,58% Trinkgeld. Hätte sie gewusst, was die Stunde geschlagen hat und wieso?

Ich hab ja schon einmal angedeutet, dass ich mich gerne pimpe, dass ich jede Gelegenheit nutze, um aus dem Haus zu gehen, um die Errungenschaften meiner vier Kleiderschränke zu präsentieren. Und so sah ich auch an diesem Abend sehr gut aus. Alles perfekt aufeinander abgestimmt, dass man meinen könnte, ich weiß, was ich tue. Und sogar noch mehr als das. Ich frage mich manchmal, ob ich am Ende mein Schicksal akzeptieren werde oder ob die Akzeptanz meines Schicksals mein Ende sein wird. Was soll ich sagen, noch ist es nicht so weit. Vielleicht weigere ich mich nicht mein Schicksal anzunehmen, sondern nur nicht dieses. Aber stoße ich an meine Grenzen? Was soll ich noch anziehen, um als vollwertiger Kunde wahrgenommen zu werden? Als ebenbürtiger Mensch?

(Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de)

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