Jeck anders

223744_web_R_K_B_by_I.Friedrich_pixelio.deEndlich Aschermittwoch. Eigentlich, wenn ich die ganzen verkleideten Menschen sehe an Altweiber, bereue ich, mich nicht daran zu beteiligen. Aber dieses Jahr waren die Karnevalstage zu jeck. Leider hatte das weniger mit Karneval zu tun. Am Samstag fiel mir auf, dass ich krank bin. Eine Erkältung schlich sich ein, deren Symptom der Schnupfen, Konsequenz das Nase putzen, Auswirkung ein wunder Hautkrater an Nase und Oberlippe. Voll sexy.

Am Sonntag keine Gnade mit mir und meiner Gesichtsentstellung. Und wieder mal im Nachhinein eine Verkleidungsidee: Neurodermitis, Brandwunde oder ganz allgemein Hautirritation, wie immer zu spät. Ich musste ins Kino „Mr Peabody und Sherman“. Das war so ein Tag, wo ich dachte, dass neben der Hornhaut noch Fieberwahn dazu kommt. Ich weiß nicht, ob ich es richtig verstanden habe, aber in diesem Film adoptiert ein Hund einen Menschen. Wieso? Die Erklärung war so schwach, dass sie hier noch nicht mal genannt werden muss. Ansonsten stand das auch außerhalb des Zusammenhangs zur Handlung. Aber in meinem Fieberwahn hatte ich die Vision, dass die Idee dahinter sein könnte, dass egal wer dein Vater ist, es nur immer um die Liebe geht und … was auch immer. Im Grunde kann jemand wie ich über so eine Konstellation froh sein. Vielleicht regt so was meinen Sohn dazu an über meine Behinderung nachzudenken. Auch wenn seine Mutter doch von der Norm abweicht, so kommt es im Grunde auf was anderes an. Ich hatte mir fest vorgenommen, meinen Sohn darauf anzusprechen, wie er das Ganze sieht. Ob er so weit denkt wie ich oder ob wir da Gesprächsbedarf in dieser Interpretation haben.

Dazu sollte es nicht kommen. Ich wurde abgelenkt. Auf dem Weg nach Hause wurde ich von Spiderman angegriffen. Ich war völlig überrascht, weil es der nette war, der blau rote, nicht der schwarze. Eigentlich glaube ich, dass es nur einer war, der ein Spidermankostüm trug und mit diesem dann wegen der eingeschränkten Sicht in mich rein lief. Aber so klingt es lustiger. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er stärker als Spiderman sei, denn ich stand nach diesem Überfall so wie vorher da und Spiderman lag am Boden. Tja. Ist es mein Charisma, ist es ein Kraftfeld? Nein, es sind 300 Kilo, die ich wiege. Mit Rollstuhl, falls man das nicht ahnt.

Anschließend, völlig perplex, werde ich vor dem Bahnhof von einem Mann angesprochen. Völlig ernst spricht er mich an und ich dachte schon, mir wäre was runter gefallen oder er würde mich nach dem Weg fragen, da meint er, ich sei geblitzt worden, ich wär zu schnell gefahren. Witzig. Das fiel ihm dann aber nicht auf. Ein Gag, der so alt ist wie der Karneval und die Jecken zusammen. Leider wird er nicht besser mit der Zeit wie der eine oder andere Wein. Und leider werde ich von solchen Witzen nicht nur in der Karnevalszeit attackiert. Aber zumindest kommt man ab jetzt kontaktfrei durch den Bahnhof.

(Foto: I.Friedrich  / pixelio.de)

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