Die 4 Säulen der Diskriminierung

652833_web_R_K_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.deDiskriminierung hat viele Facetten. Leider ist man sich nicht aller Facetten immer bewusst. Ich versuche die einzelnen Varianten mit Beispielen aufzuzeigen, in der Hoffnung, dass jede von ihnen aussterben möge. Die Diskriminierungsformen meinem Verständnis nach sind im Folgenden:

I. OFFENSICHTLICHE DISKRIMINIERUNG
Diese Art der Diskriminierung zeigt sich unverblümt und ist so simpel wie gefährlich. Im Grunde ist das Problem hier die Andersartigkeit des Anderen. Die Angst vor dem Unbekannten. Leider lässt sich es nicht näher eingrenzen. Den Diskriminierungsgründen sind keine Grenzen gesetzt, im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder kann jeden diskriminieren. Diese Art der Diskriminierung ist was für Jedermann.
Ein Schwarzer kann was gegen Schwule haben. Ein Schwuler was gegen Behinderte und ein Behinderter etwas gegen Schwarze. Der Kreis kann endlos weiter ergänzt werden. So gesehen kann man sich was von der Diskriminierung abgucken, weil sie für Einschränkungen, Hautfarben usw. blind ist. Diskriminierung ist im Grunde das, was wir aneinander hassen. Besonders schockierend an dieser Stelle, dass man denken würde, dass Angehörige von Randgruppen selbst durch das Spüren von Diskriminierung und Ausgrenzung Verständnis für Angehörige anderer Gruppen haben, dem ist aber nicht so. Es ist sogar schlimmer, man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Diskriminierung Anderer in einer verstärkten Form auftritt. Als ob man die eigene Diskriminierung kompensieren müsste.

II. POSITIVE DISKRIMINIERUNG
Positiver und nettgemeinter geht es nicht mehr. Die Naivität lässt gar keinen Hintergedanken mehr zu. Man will seinem Gegenüber einen Gefallen tun, ohne sich darüber bewusst zu sein, in dem Moment zu diskriminieren. Ganz nach dem Motto „Eigentlich kommst du hier nit rein, aber wir machen mal ne Ausnahme“. Hier kann man auch als Diskriminierungsopfer profitieren, wenn man im Freizeitpark nicht an den Attraktionen anstehen muss. Wer würde nicht vorgehen, wenn er die Gelegenheit hätte? Oder muss man sich fragen, ob die wirklich nur nett sind oder gegebenenfalls mit dem Anblick eines Behinderten nicht den Tag ihrer anderen Gäste verderben wollen? Ganz so selbstlos ist die Form der positiven Diskriminierung nicht.
Man will sich oft mit dem Vertreter einer Randgruppe brüskieren. Er wird zu einem Accessoire, mit dem man zeigen will, wie weltoffen und tolerant man ist. Ein, ich gebe zu, extremes Beispiel ist, wenn weiße Frauen von schwarzen Männern fasziniert sind, denn Schoko-Babys sind ja so süß. Das ist dann in deren Augen keine Diskriminierung, sondern dient der wohlwollenden Völkerverständigung. Oder wenn man schwule Freunde sein eigen nennt, wie das Must Have im Kleiderschrank, was saisonlos zum Einsatz kommt. Vielleicht ist das sehr sehr gemein und wer weiß, vielleicht ist es auch so, dass die Ausnahmen die Regel bestätigen. Aber das tut der Wahrheit in den anderen Fällen keinen Abbruch.

III. OFFENSIVE DISKRIMINIERUNG
Diese dritte Form der Diskriminierung ähnelt der ersten, auch wenn sie nicht so offensichtlich und simpel ist. Und so wird sie zur fiesesten Variante, da sie diskriminiert unter dem Deckmantel eines gleichberechtigten Umgangs. Im Gegensatz zur II. Säule sind die Nettigkeiten hier wohlverpackte Gemeinheiten. Diese rühren größtenteils aus Arroganz oder kindlichem Neid heraus. So wurde meine Freude über meine Arbeitsstelle ausgebremst mit der Argumentation, dass die Stelle gefördert werden würde bzw. eine Quote erreicht werden müsste.
Frei nach dem Motto: Ich diskriminiere Dich nicht, weil du behindert bist, sondern obwohl Du behindert bist. Im Grunde willst du doch als Behinderter mit all deinen Stärken und Schwächen ernst genommen werden. Und auch wenn ich dich nur auf Deine Schwächen aufmerksam mache, so kannst Du diese Gelegenheit ergreifen, um daraus zu lernen, also kannst Du mir dankbar sein. Vielleicht ist man gemein, weil man unglücklich ist. Vielleicht vermisst man auch die Aufmerksamkeit, die von dem bösen Behinderten beansprucht wird. Trotz der Ehrlichkeit dem Gegenüber fehlt die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Aber die Arroganz schützt einen vor dieser Selbsterkenntnis. Das heißt natürlich nicht, dass man die Vorteile, die einem durch einen Behinderten entstehen, bei aller Ehrlichkeit nicht nutzen kann. So hat eine Begleitperson freien Einstieg oder freien Eintritt.

IV. VERSCHMELZENDE DISKRIMINIERUNG
Vielleicht die nervigste der vier beschriebenen Diskriminierungsformen. Sie macht einen so ohnmächtig. Sie ist frei von jedem bösen Hintergedanken und unbewusster ginge es wohl kaum. Hier will man nur nett sein. Vielleicht könnte man so auch am besten ansetzen, darauf aufmerksam machen. Aber wie soll man sich dies trauen bei all der Nettigkeit und Unschuld? Wie soll man sich beschweren, wo doch hier zumindest ein Gespräch gesucht wird? Auch wenn es noch unbeholfen wirkt. Das Schlagwort ist „Empathie“. Leider nicht vollzogen. Im Grunde hat man in solchen Gesprächen den Eindruck, dass das Gegenüber gerne mit einem tauschen würde, wie seltsam das auch klingen mag.
Ich habe manchmal den Eindruck, ich komme nicht dazu, mich über andere Themen zu unterhalten als nur über das Offensichtlichste. Wo sind die Behinderten-Toiletten? Wie kann ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Was müsste noch für Behinderte getan werden? Wie schaffe ich all dies? Und das immer mit dem größten Respekt. Jetzt bin ich nicht schwarz, ist das bei Schwarzen eigentlich auch so, dass die immer zu hören bekommen, wie gerne man auf Safari gehen würde? Doch eigentlich müsste das so sein, weil man doch den Eindruck hat, wenn man aus einem anderen Land kommt, so kennt man hier mehr Menschen, die da her kommen wollen in irgendeiner Art, als da vor Ort. Allen Klischees zum Trotz, hier könnte der Anfang sein. Die Themengebiete müssten sich nur ausweiten. Unbeholfene Themenansätze sind immer noch besser als gar kein Dialog.

(Foto: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de)

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