Ein Hoch auf Papa

592303_web_R_K_B_by_Rolf Handke_pixelio.deWie gehe ich damit um? Mein Kind mag seinen Vater. Schlimmer wäre es doch, wenn es anders wäre. Dann hätte ich sicher etwas falsch gemacht. Was noch schlimmer wäre, weil der Vater ja in meinen Augen genug schlimmes tut. Und ich bin sicher, mich mag er auch, aber ich bin ja schließlich die Mutter. Und mag er seinen Vater auch nur, weil es sein Vater ist oder stehen wir beide um die Gunst des Kindes in unmittelbarer Konkurrenz zueinander? Objektiv betrachtet weiß ich, dass es noch bei Weitem nicht soweit ist. Und von Konkurrenz kann man auch nicht sprechen. Alles ist normal und wie es sein sollte. Aber wie gehe ich dennoch damit um?

Rein emotional, so mit dem Herzen betrachtet, nagt es an meinem Geduldsfaden. Ich bin der Alltag, er ist die Abwechslung. Ich bin die Erziehende, er ist der Unterhaltende. Ich bin die Organisierende, er der Spontane. Ich bin die Regel, er ist die Freiheit. Und dann soll er uns beide gleichermaßen mögen? Sogar rational betrachtet, während ich das hier so schreibe, fällt mir auf, dass mit ihm der Spaß ist. Ein bisschen Spaß muss sein, ich weiß. Und es ist sicher nicht so, dass ich nur mit meinem Kind zusammenkomme, um zu erklären, warum er sich mehr Mühe in der Schule geben muss, wann er ins Bett geht oder dass man Brokkoli essen muss. Das sind sicher nicht die Glanzmomente in unserer gemeinsamen Zeit. Aber wenn das der Alltag ist, dann fällt er doch weg jeden zweiten Sonntag. Was bleibt ist Spiel und Spaß gekrönt von Papas Chips-Catering. Sicher, es ist eine wichtige Zeit, aber mir kommt es so vor, als ob meine Leistung nicht gewürdigt werden würde, eher im Gegenteil. Rational weiß ich, dass ich sicher auch das eine oder andere übersehen könnte, wenn ich nur alle 2 Wochen hingucken müsste. Aber emotional frage ich mich, ob mein Verhalten und meine Zeit der positiven Zeit mit Papa standhält.

Wieviel mein Kind von alldem weiß oder auch versteht? Versteht er, dass seine Erziehung mit all ihren unliebsamen Nebenwirkungen sein muss? Versteht er, dass der Grund, warum er von mir in seine Schranken gewiesen wird, der ist, dass er bei mir lebt? Und wenn er bei seinem Vater leben würde, dass es andersherum wäre und gegebenenfalls die Nebenwirkungen noch schlimmer wären? Aber wie soll ich jetzt genau damit umgehen, dass ich den Alltag, den Stress, die Verantwortung, die Diskussionen, die Organisation, die Planung, die Liste ist ewig lang, auf meinen Schultern lasten habe? Und das, was mir abgenommen wird, ist das, was Spaß macht. Und zwischendurch wird sogar ganz dreist auf seine väterlichen Rechte hingewiesen und versucht, mir den einen oder anderen äußerst konstruktiven Ratschlag zu geben. Ehrlich, an solchen Stellen weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Wenn dann zum Beispiel so was kommt wie, ich soll auch mal was kochen, was das Kind mag oder es wäre doch besser, wenn er mal länger aufbleiben dürfte. Da ist die Gegenüberstellung wieder, ich habe Pflichten, er hat Rechte. Ja, dann freue ich mich, dass ich den nicht mal mehr alle 2 Wochen für ein paar Stunden ertragen muss.

Trotzdem, bei all meinem Zweifel weiß ich, dass mein Kind, trotz Chips und Co, es mit seinem Vater schwer genug hat. Vielleicht ist es für ihn sogar schwerer als für mich. Denn dass sein Vater wirklich bemüht ist, kommt seltener vor als der Vollmond. Ich habe es damals bei meinem Vater gemerkt, auch wenn mein Vater stets bemühter war, als dieser hier. Und ich sehe meinem Kind an, dass er es weiß und mein Kind sieht mir an, dass ich es weiß. Wenn ich manchmal mit meinem Sohn über seinen Vater spreche, dann bin ich dennoch überrascht darüber,  wie viel er sieht, wie viel er weiß, wie viel er versteht. Und wenn er sich auch zwischenzeitlich äußert, dann fällt die Kritik für seinen Vater härter aus, als ich sie je formulieren könnte, trotz nennenswerter nicht jugendfreier Begriffe und Formulierungen. Und auf der einen Seite freue ich mich über doch eine Art Anerkennung oder Sieg im Vergleich. Auch wenn ich rational weiß, dass die Qualität eines Sieges von der Qualität der Konkurrenz abhängt. Auf einer anderen Seite freut es mich für meinen Sohn, dass er diesen Überblick hat, denn mit dem, was ich verstehe und nachvollziehen kann, kann ich besser umgehen. Auf einer völlig anderen Seite frage ich mich, ob er mir meine Unsicherheit anmerkt und mir zu liebe seinen Vater schlecht macht. Und wie gehe ich damit um?

(Foto: Rolf Handke  / pixelio.de)

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