Date wie ein Dartpfeil

349455_web_R_by_Rainer Freynhagen_pixelio.deEs geht hier um ein Date, aber um keinen Dartpfeil und trotzdem hatte ich das Gefühl, einen Dartpfeil im Kopf zu haben wie der kleine Junge in „Keinohrhasen“. Ja, so fühlte es sich irgendwie an. Es war ungewöhnlich, sicher in irgendeiner Form schmerzhaft und für einen nicht Beteiligten sicher lustig mit anzusehen. Ich wollte ins Kino, wobei ich mich im Nachhinein dabei ertappt habe, dass ich mich schon mal über das Date anderer Leute im Kino lustig gemacht habe. Aber es war ja nicht das erste dieser Art und nicht mit diesem. Dann war es noch bedeutungsschwanger. „Urlaubsreif“, wollte ich mir damit irgendetwas sagen?

Ich war wie immer spät dran, aber diesmal hatte ich ja eine gute Ausrede, ich musste hübsch aussehen. Und seltsamerweise braucht das immer mehr Zeit. Ich war so spät dran, dass ich auf meinem Hinweg ihn auf seinem Rückweg traf. Omen? Nein, typisch für mich. Dann schnell noch ein Ticket gekauft. Ich wurde wie immer gefragt, wo ich sitzen will, auch wenn ich das Gefühl habe, dass man es mir langsam aber sicher ansehen sollte. Vielleicht bin ich einfach nur zickig, weil sich eine Prominenz meinerseits nicht einstellen will. Viel wichtiger als die Frage, wo ich sitzen will, hätte ich ja die Information gefunden, wo ich sitzen werde und wo der andere sitzt. Warum geht man denn zusammen ins Kino? Weil man nicht zusammen sein möchte? Spaß beiseite, mal wieder. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass meine Ansicht und die des Kinos dermaßen weit auseinander gehen, hätte ich auf den Kauf der Eintrittskarte wahrscheinlich verzichtet. Oder wahrscheinlich ganz sicher.

Die Inklusion und ihre Nachteile. Die Behinderten dürfen, sollen raus und leider tun sie das auch. Bis dahin hätte ich nicht gedacht, dass es für mich persönlich Nachteile haben kann. Leider waren die beiden Sitzplätze neben dem freigelassenen Rollstuhlplatz bereits von eigentlich im Rollstuhl sitzenden Männern besetzt. Normalerweise frage ich dann, wenn der Platz neben meinem schon besetzt ist, ob es möglich ist, aufzurücken. Aber zu Behinderten muss man ja nett sein, also habe ich darauf verzichtet. Also saß ich den ganzen Film über neben Fremden. Und deren Blick hat mir zu verstehen gegeben, dass mein Anblick die zeitlichen Verzögerungen wert war. Nee, ehrlich gesagt, ganz so angenehm war es nicht.

Ich war so froh, dass ich mal in einem Film ohne meinen Sohn war, obwohl, ganz ohne Kinder war es dann doch nicht. Vielleicht hat man schon „Urlaubsreif“ gesehen, das war eigentlich ganz witzig. Was weniger witzig war, war, dass die beiden Männer neben mir wohl zum ersten Mal raus durften. Anfangs war das noch ganz süß, es erinnerte mich an meinen Sohn. Die Behinderten haben die Gags wiederholt und Gags, die nur zu sehen waren und nicht ausgesprochen wurden, wurden von ihnen beim Namen genannt. Später eher anstrengend. Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Nein, mein Pfefferspray kam nicht zum Einsatz. Und ungewöhnliche Maßnahmen fördern ungewöhnliche Möglichkeiten. Ich kam dann auf die Idee, mit einer Reihe vor mir zu simsen. Es ist so toll, wenn man sich was nicht wirklich anspruchsvolles anguckt. Dann wird’s doppelt komisch. Wobei, was mir zwischenzeitlich Sorgen gemacht hat, war die sich aufdrängende Frage, ob eine Frau mit Kindern das Recht hat auf einen neuen Mann und sein möglicher Gedanke, warum ich so einen Film auswähle. Vielleicht bildete ich mir das nur ein, dass er aus dieser Konstellation, etwas erkennen könnte. Schließlich hielt ich noch eine bestimmte neunjährige Information hinterm Berg.

(Foto: Rainer Freynhagen  / pixelio.de)

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