WM-Weltmacht

696903_web_R_K_B_by_Jörg Brinckheger_pixelio.deNatürlich gucke ich mir die WM auch an. Eigentlich weniger freiwillig oder weil es mich besonders interessiert, als wegen meinem Sohn. Aus pädagogischen Gründen und aus bestimmten Budgetkapazitäten haben wir nur einen Fernseher. Und wenn ich mir das dann ansehe, ist es auch nicht mehr so schlimm. Und trotzdem kann ich es nicht mehr sehen. Das hat jetzt weniger was mit Fußball zu tun, als mit dem Marketing um den Fußball herum. Es ist einfach zu viel, was plötzlich mit Fußball zu tun hat. Zu einem gewissen Grad tragen Fußball-Brötchen zur Vorfreude auf ein solches Fußballereignis bei, aber ab einer bestimmten Menge wird’s einfach zu viel. Und dann kann die Vorfreude schon erloschen sein bevor es losgeht. Ich glaube, mein Lieblingsmoment im Sinne des WM-Marketings war als ich WM-Joghurt gesehen habe.

Ich hoffe, dass Deutschland heute gewinnen wird. Wenn ich schon Fußball gucken muss, dann bin ich ja für Deutschland. Ich kann der WM, was Deutschland angeht, einen weiteren positiven Aspekt abgewinnen, auch wenn ich des Joghurts und der Brötchen und was es nicht alles geben mag, mich satt gesehen habe. Es ist schön zu erkennen, dass mit all den Flaggen, mit all den Hawaii-Ketten (und auch hier scheinen die Möglichkeiten unerschöpft, so habe ich auch schon Mal Deutschlandflaggen-Wimpern gesehen), Deutschland stolz ist, Deutschland zu sein. Und das ist bekanntlich ja nicht selbstverständlich. Wenn Fußball verhelfen kann Abstand zu gewinnen, Selbstbewusstsein zu entwickeln, dann ist Fußball, auch wenn ich es nicht wirklich verstehe, eine gute Sache. Und wird es nicht langsam Zeit, dass Abstand und Selbstvertrauen gewonnen werden? Plötzlich hat es keinen ekligen Beigeschmack. Und seltsamerweise wird es auch nicht mehr vom Ausland negativ angelastet. Wobei Flaggen einen markanteren Anlass geben würden als Diskussionen über Hilfspakete. Ist eigentlich Griechenland noch dabei? Ich meine Fußball-mäßig. Ich muss meinen Sohn fragen, der erklärt mir sowieso alles. So ist auch Fußball nicht nur Nationalstolz-bildend, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf meine Mutter-Kind-Beziehung. Eins zu null für Mama, für alle die den Papa-Text gelesen haben.

Ich habe auch den Eindruck, dass er gerne darüber spricht, als wäre er hier in seinem Element. Das beruhigt mich enorm, dann zahle ich die Fußballverein-Beiträge nicht ganz umsonst. Wobei ich gestern ehrlich gesagt das Gefühl hatte, er würde die Geduld verlieren müssen. Bei Italien gegen Uruguay sind so viele Sachen passiert, die ich nicht verstanden habe, dass ich dachte, er müsste bei dem Ball und seiner Form anfangen. Ok, zwischendurch ich gebe es ja zu, stelle ich Fragen, mit denen ich mehr flachse als wissbegierig bin. Ich war dann beruhigt zu sehen, dass die Experten auch gezweifelt haben. Ich glaube Beißen im Fußball habe ich noch nie gesehen. Jetzt könnte man fast meinen, ich habe ja noch gar nicht so viel gesehen, aber so ganz stimmt das nicht. Von irgendjemandem muss es ja mein Sohn haben. Der Mann ging, die DNA und Leidenschaft blieben. Dass ein Schiedsrichter nicht alles sehen kann, verstehe ich, das Feld ist wahrscheinlich größer als mein Fernseher. Aber wenn die Zuschauer das sehen können, die auf der anderen Seite der Welt sitzen, müsste es doch Möglichkeiten geben, so sage ich, so was weiterzuleiten so wie der Assistent des Schiedsrichters ihm weiterleiten konnte, dass einer der Italiener austickt. Nachvollziehen konnte ich es. Und was wäre aus Italien geworden, wenn einige Entscheidungen anders gewesen wären beziehungsweise hätten zurückgenommen werden können? Gehört das nicht zur Fairness?

Angeblich soll es zum Charme des Fußballsports gehören, dass der Schiedsrichter Fehlentscheidungen trifft, sich zum Buhmann macht und zu einem Feindbild wird für alle. Aber, dass er über alles bestimmt, finde ich gefährlich. Gab es da nicht so Bestechungsaffären? Eine logische Konsequenz wie ich finde, wenn die Entscheidung eines Schiedsrichters unantastbar ist. Ähnlich der von Gott, nur der sieht bekanntlich alles. Vielleicht sollte man das auch optimieren. Schließlich arbeitet man auch an Taktik, Fitness und so weiter. Aber wer weiß, ob ohne das gestrige Chaos Fußball überhaupt meine Aufmerksamkeit geweckt hätte. Und so hoffe ich, obwohl ich das alles nicht ganz so ernst nehme, dass ich noch viele Gelegenheiten bekommen werde, mich aufzuregen und zu diskutieren und natürlich, dass Deutschland gewinnt.

(Foto: Jörg Brinckheger  / pixelio.de)

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