Rente und Ansprüche

SAMSUNG CAMERA PICTURESIch habe heute morgen zwei Mitarbeiter eines Supermarkts im Gespräch belauscht. Der eine war Jahrgang 57 und somit würde ihm die neu errungene Rente mit 63 nichts nützen, da er fast schon ein ganzes Jahr länger arbeiten müsste als 63. Sein Selbstbedauern stieß auf offene Ohren, gefolgt von der ein oder anderen Argumentationsstütze. Dabei habe ich persönlich immer gedacht, dass es eine logische Konsequenz ist in einer immer älter werdenden Gesellschaft, dass man über kurz oder lang auch über die Erhöhung des Rentenalters neu entscheiden müsse. Wobei, ich weiß, dass es kontraproduktiv ist, da es im Alter immer schwerer wird einen Job zu finden. Vielleicht interessiert mich das Gespräch auch so sehr, weil mir gerade mein eigenes süßes Nichtstun, bitter aufstößt. Noch geht es. Zur Zeit werden noch Sachen erledigt, die schon vor einem halben Jahr hätten erledigt sein müssen. Nächste Woche vielleicht auch noch, aber dann?

Wäre es schlimm, wenn ich angesichts meiner eigenen Situation, die beiden Mitarbeiter als undankbar empfinden würde? Vielleicht ist undankbar auch das falsche Wort. Vielleicht weiß ich auch nicht wovon ich rede. Es ist sicher etwas anderes, im Büro zu sitzen, als Regale einzuräumen. Ich habe mein leben lang nie körperlich gearbeitet und ich werde es auch nie tun. Mein Körper ist dafür einfach zu sehr mit der Lebenserhaltung selbst beschäftigt, von dem verspäteten Berufseinstieg mal abgesehen. Aber zu der Frage von letztens, ist eine auf einen lastende Aufgabe nicht besser als keine zu haben? Menschen, die über einen Renteneintritt der verspätet eintreten soll, meckern, was haben sie danach geplant? Ich meine, Pflanzen deren Topf mehr mit Wurzeln als mit Erde gefüllt sind, sind in der Zeit bis dahin eingegangen. Für meine war es schon fast zu spät. Und nach dem ganzen Tag hin und her gesetze, kann ich ihnen nur noch beim Wachsen zusehen. Schönheitsfehler in der Wohnung konnten auch schon zum großen Teil behoben werden, warte auch hier auf Neue. Also was macht man mit der Zeit von Jahren? Wenn mir schon nach einer Woche Langeweile droht.

Ich hoffe, ich finde bald die Lösung auf die Frage, was ich mit all der Zeit anfangen soll. Vielleicht wenn man das Rentenalter erreicht hat, weiß man, was man dafür getan hat und kann es dadurch genießen. Vielleicht ist das der Unterschied zu meiner Situation. Aber ich bezweifle auch, dass sich alle Betroffenen dessen bewusst sind, dass da Jahre in denen sie nichts zu tun haben werden, vor ihnen liegen. Ich habe mir mal von jemandem in einem Netzwerk sagen lassen, die Frau stand kurz vor der Rente, oder befand sich am Anfang, dass sie sich auf ihre Rente freue, da sie ein Haus mit einem riesen Garten hat und dort viel zu machen habe. Jetzt hat ja nicht jeder einen großen Garten. Die meisten doch eher einen Balkon und ich persönlich war überrascht, vom wenigen Zeitaufwand am vorgefunden Bestand.

Vielleicht ist es aber auch von Tätigkeit zu Tätigkeit unterschiedlich. Vielleicht sind auch manche Tätigkeiten nicht drauf ausgelegt, dass sie einem Freude bereiten. Den besagten Supermarkt habe ich auch schon zufällig in einer Streikphase aufgesucht. Das war wohl nicht der Fall, weil keine Optimierung der Arbeitsbedingungen notwendig waren. Aber kann man sich wirklich nicht mit dem, was man tut arrangieren und dies zu schätzen wissen? Auch, wenn ich meinem Job nachtraure, so bin ich mir dessen bewusst, dass er nicht immer mein Herz höher schlagen ließ. Gott sei dank nicht, hätte sich wahrscheinlich ungünstig für die Krankmeldungen ausgewirkt. Aber das heißt ja noch nicht, dass der Job keinen Vorteil hatte. Spätestens als ich feststellen musste, dass das der Grund ist, warum ich mir mehr leisten konnte als davor. Und das ein oder andere Erfolgserlebnis gabs ja auch. Vielleicht ist der Mensch von Natur aus geneigt damit unzufrieden zu sein, was er gerade vorfindet. Zwischendurch habe ich über meine Tätigkeit genau so gelästert, wie jetzt keine zuhaben. Und ich frage mich, wenn man diesen Mitarbeitern eine lebenslange Rente von heute an anbietet würde, mit der sie eher mehr als weniger zurechtkommen könnten, unter der Bedingung, dass sie nie wieder einer Arbeit nachgehen dürften. Ob sie dieses Angebot annehmen würden?

So ganz abwegig ist mein Jammer ja doch nicht und meine Zweifel noch weniger. Ich glaube, dass es völlig normal ist, dass man in ein Loch fällt. Auch wenn das vielleicht nicht für alle gilt. Man muss sich auch dann Aufgaben suchen, die einen erfüllen. Zu blöd, dass die Generation nach einem selbst immer rarer wird. So wird die ultimative Idee der Enkelbetreuung nicht länger das Selbstverständlichste sein. Da muss man einfach kreativer werden. Vielleicht erklärt sich das auch an der Stelle, warum man immer wieder Senioren, ich glaube Rentner ist nicht mehr politisch korrekt, in den Hörsälen der Universitäten sieht. Womöglich wärs auch mal eine Idee, nicht nur über Arbeitszeiten nachzudenken, sondern über die Art und Qualität der Arbeit. Es gibt wohl einen Unterschied zwischen meiner Tätigkeit und der, der beiden belauschten Mitarbeiter.

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