Oh mein Gott

448115_web_R_K_B_by_Margot Kessler_pixelio.deWas mir heute passiert ist, und das macht der Rollstuhl, ich wurde nicht angemacht. Ich glaube, man ahnt schon, was kommt, aber ich möchte es spannend machen. Eine Asiatin sprach mich an und ich dachte, wenn überhaupt, denn im Denken bin ich ja nicht so schnell und Zeit war ja auch nicht in dieser Situation, ich dachte, dass sie nur nach dem Weg fragen will oder sonst was wenig weltbewegendes. Dann fiel mir auf, dass sie ein Schildchen mit dem Logo der Universität hatte, sie fragte mich, ob sie mir ein paar Fragen stellen könnte. Ich dachte an eine Art Umfrage und meinte, kommt drauf an zu was und kommt drauf an wie lange. Und da kam es mal wieder der Klassiker. Oder jetzt noch nicht, erst mal die Frage, warum ich denn so wäre, wie ich bin. Oh Gott, ich hätte weiter gehen sollen und so tun sollen als ob ich, nicht nur auf Rädern, sondern auch taubstumm wäre. Aber es sollte noch besser werden, ob sie für mich beten dürfte, fragte sie mich. Sie wollte tatsächlich mit mir über Gott sprechen. Wie gesagt, der Klassiker.

Ich glaube unter speziell Rollstuhlfahrern ist das ein weit verbreitetes Phänomen, ich hoffe es, denn wenn nicht, läge es an mir und ich weiß gar nicht, was an mir falsch angeordnet ist, dass die mich so oft ansprechen müssen und einmal im Bann lassen sie auch nicht mehr locker. Da hilft auch nicht ein genervter Gesichtsausdruck und ein abfälliges Ich-möchte-nicht-dass-irgendwer-für-mich-betet, denn dann kommt wie heute ein „Ob ich denn ein Problem mit Gott hätte?“. Und auch hier bringt es nichts zu sagen, dass man ja nichts mit Etwas ein Problem haben kann, an dessen Existenz man nicht glaubt. Wo wir schon bei den Unterstellungen sind, „vielleicht gab es da nur ein Missverständnis zwischen Ihnen und Gott?“ Ja, der Vorteil von den Ausländern, sie überlegen länger und haben deshalb weniger Zeit einen richtig wütend zu machen, mal davon abgesehen, dass wenn sie noch mit Akzent sprechen, wirkt es niedlich wenn nicht gerade beruhigend und wenn es nicht gerade der verkappte osteuropäische Domina-Akzent ist. Wie gesagt es gibt oder es kann kein Missverständnis zwischen mir und Etwas geben, von dem überzeugt bin, dass es nicht existiert. Woran ich eher glaube mittlerweile, weil ich scheine diese Leute magisch anzuziehen, ich meine jetzt nicht Ausländer, auch nicht die mit dem Akzent, nein ich meine die Gottesanbeter, ach Sorry Gender Gottesanbeterinnen, dass es Probleme zwischen Gott und seinen Missionaren gibt. Zumindest Missverständliches, was im Endeffekt dazu führt, dass es bei denen zu Problemen führt, großen Problemen.

Schlimmer könnte der Fall von Gut Gemeint wohl nicht sein. Da will jemand für mich beten, ich bin ja ein riesen Arschloch, ich mache mich dadrüber lustig anstatt dies anzunehmen. Solche Gespräche dauern aufgrund von Desinteresse meinerseits zu kurz, um denen bei ihren Problemen zu helfen. Irgendwann muss ich leider weiter, ihr gingen schnell die Worte und um so mehr die Argumente aus. Erzählen konnte sie mir noch zusätzlich von der Geschichte, wo Jesus die alte Frau geheilt hatte, kam mir irgendwie bekannt vor, eigentlich schade, dass man nie die Bibel liest, um vielleicht es auf eine Diskussion ankommen zu lassen. Aber was hätte ich da sagen können, sie war ja so schon überfordert? Und ich fühlte, mal davon abgesehen, dass ich furchtbar genervt war, mich einfach nur schlecht.

Ich habe das Ganze beendet mit „Ich muss weiter und ich kann sie nicht davon abhalten für mich zu beten“. Sie wollte meinen Namen dafür, süß Asiatinnen haben sowieso bei mir Welpen-Bonus, wahrscheinlich kommt das daher, dass sie in der Horizontalen nur halb so groß sind wie ich. Sie hat meinen Namen nicht gekriegt und ich ging weg. Als meine Wut verflogen war, wusste ich nicht, wer wem mehr Leid tun müsste. Ich ihr, die nicht Laufen kann oder sie mir, die es nur gut mit mir gemeint hatte, die ich dennoch ausgerechnet deswegen belächelt habe?

Gut gemeint nutzt sich in meiner Meinung immer mehr als Ausrede und Entschuldigung für alles, was unmöglich ist, ab. Aber was soll man dagegen tun, in eine Endlosschleife von sinnlosen Argumentationen einsteigen, die keinem von uns etwas bringen?
(Foto: Margot Kessler / pixelio.de)

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