Versorgungsoptionen

SAMSUNG CAMERA PICTURESIn letzter Zeit habe ich mal wieder viele Assistentinnen kommen und gehen sehen. Eine blieb mir besonders in Erinnerung und sie gab mir auch unbewusst Anlass über einiges nachzudenken. Umso länger ich Assistenz in Anspruch nehme, umso weniger überraschen mich einzelne Charaktere. Hier war das Besondere, dass es in vielerlei Hinsicht klischeehaft war. Sie war bereits in einem Alter, in dem man einen festen Job hat, Familienplanung in vollen Angriff genommen bzw. vielleicht sogar schon abgeschlossen hat. Wenn dann jemand noch auf einen Nebenjob angewiesen ist, wo man keine Qualifikationen braucht, hat es gegebenenfalls seine Gründe. Das war auch nicht wirklich etwas Neues, sehe ich immer wieder. Was neu war oder besser gesagt überraschend war, war das mir entgegengebrachte Verhalten.

Immer wieder habe ich gehört in der Vergangenheit, dass wenn einen Fremde versorgen, um es nicht betreuen zu nennen, dann würden sie es nie so gut machen wie die Familie. Sie würden es nicht richtig machen, sie wären überheblich, man müsste betteln und so weiter. Meine Beobachtungen erinnerten mich an diese Warnungen oder Vorurteile, die ich wie ich gedacht habe, längst hinter mir gelassen habe. Und dann holt es mich im verflixten siebten Jahr wieder ein, ich dachte, wenn jemand für seine Arbeit Geld erhält, dann müsste ihm bewusst sein, dass es keine Gefälligkeit ist. Wohl nicht allen. Hier der oberste Vorteil einer Beschäftigung eines Dritten im Vergleich zur Pflege durch Familienangehörige, man kann das Arbeitsverhältnis im Gegensatz zum Verwandschaftsverhältnis aufheben.

Aber es gibt noch ganz viele andere Gründe, warum die Versorgung von Familienangehörigen nicht sinnvoll ist, sei es so günstig wie kaum was. Keinem ist damit geholfen, vielleicht höchstens nur der Kasse der dementsprechenden Pflegeversicherung. Die pflegenden Angehörigen sind von der Situation überfordert. Insbesondere wenn der Aufwand der Pflege ein gewisses Maß übersteigt, das schränkt Ruhepausen ein und ist auch schädlich für die Psyche. Und das wirkt sich wiederum auf den zu Pflegenden aus, der in einem Abhängigkeitsverhältnis steckt, aus dem er nicht entkommen kann. Dieses Gefühl nicht entkommen zu können, führt dazu, dass man sich nicht mehr traut Forderung zu stellen oder gar Wünsche zu äußern. Der zu Pflegende hat sogar das Gefühl zur Last zu fallen und ein schlechtes Gewissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Einzelfällen nicht zu gewalttätigen Handlungen kommt aufgrund des Abhängigkeitsverhältnisses auf beiden Seiten.

Als Alternative gibt es ja noch Pflegeheime, wer hat das nicht schon mal gehört, „bevor ich ins Heim gehe, wäre ich lieber tot“. Da hat sich ja das System der Pflegeheime einen verdammt guten Ruf erarbeitet. Ich selbst möchte auch nicht ins Heim, und ich glaube auch nicht, dass es jemand anderer will. Das liegt weniger an Pflege, als am Heim. Irgendwie assoziiere ich damit Enge und besser wird es nicht dadurch, dass man sich einredet, es wäre nur ein Klischee. In meinem Familienkreis habe ich jemanden, der im Heim gearbeitet hat. Ich war sogar mal da. Es war schlimmer als man denken würde, sie saßen da im Kreis und schaukelten apathisch vor sich hin. Muss man jetzt noch erwähnen, dass es weit und breit keine Schaukelstühle gab? Es roch nach Desinfektionsmittel und dem Geruch konnte man noch anmerken, welche Gerüche es übertünchen soll.

Vielleicht ist das auch nur ein besonders schlechtes Heim gewesen, aber es wäre realistischer zu denken, dass es die Regel ist. Es ist, wie ich es sehe, ein Teufelskreis. Schlechte Arbeitsbedingungen bedeuten weniger Personal bis hin zu schlechtem Personal, daraus ergibt sich schlechtere Versorgung und somit schlechterer Ruf. An jeder Stelle einzelnd muss angesetzt werden, damit der Teufelskreis durchbrochen werden kann, denn aufgrund des demographischen Wandels und des Geburtenrückgangs ist die Versorgung in der Familie nicht aufrecht zu erhalten. Mal davon abgesehen, dass hier die Verantwortung des Gesetzgebers und der Versicherungen nur abgewälzt wird auf einen kleinen Personenkreis, der nicht in der Lage ist diese Aufgabe zu stemmen. Alles andere ist utopisch und es wird Zeit sich mit dem Problem zu befassen.

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