Alles im ARGEn

422004_web_R_B_by_Dr. Klaus-Uwe Gerhardt_pixelio.deIrgendwann in der letzten Zeit habe ich gehört, dass Andrea Nahles die ultimative Idee gehabt haben soll, dass man die Bewilligungszeiträume für das allseits beliebte Hartz IV von 6 Monaten auf 12 Monate verlängern will. Natürlich nicht ganz so selbstlos, denn zukünftig darf sich auch der eine oder andere Flüchtling Kunde schimpfen, Bittsteller, Nervensäge, unterpriviligiertes Arschloch, da sind die Grenzen ja fließend. Ich war ja damals nicht dabei und gefragt hat mich auch keiner. Ich fand das schon immer seltsam, dass man einen Antrag erstmal für 6 Monate stellt. Aber ich kann auch schlecht einschätzen aus meiner unpriviligierten Situation heraus, ich werde jetzt nicht auf mein Elternhaus zu sprechen kommen, auch wenn das zu jeder Typstandardisierung dazu gehört, inwieweit die Hoffnung, man möge vergessen, seinen Lebensunterhalt zu beantragen, berechtigt war. Laut meiner kleinen Meinung konnte man eher den Eindruck haben, dass man da die abzubauende Bürokratie unbewusst anfüttert. Angesichts der Tatsache , dass das Jobcenter ohne seine Stammkundschaft nicht so einflussreich wäre, wirkt das für mich lächerlich. Vielleicht ist es aber auch die Antwort darauf. Umso engmaschiger das System, desto größer der Einfluss. Schikanetendenzen sind dabei nicht ausdrücklich erwünscht und doch von Vorteil.

Ich hatte das eine oder andere Mal schon mal leicht angedeutet oder formuliert, vielleicht auch hier, man verliert ja so schnell den Überblick über seine Ergüsse, dass ich verdammt noch mal seitdem ich arbeiten gehe, mich noch mehr rechtfertigen muss. Mehr einreichen muss und so weiter. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, daraus eine zusätzliche Halbtagsstelle zu machen, in der ich einfach nur die Schreiben, die dann möglichst präzise „Aufforderung zur Mitwirkung“ schimpft, bearbeite. Zusätzlich zu dem halbjährigen Antrag, den ja jeder von uns auszufüllen hat, kriege ich noch lustige Briefchen, in denen steht, dass ich ihnen noch 17 Euro schulde, zum Beispiel. Leider kann aufgrund des Arbeitspensums keine Zeit dafür verschwendet werden, zu erwähnen, wie die auf den Betrag kommen. Dann kriege ich durchschnittlich einmal im Monat einen neuen Berechnungsbogen und es liegt in meinem Ermessen, ob ich jetzt überprüfen möchte, ob das jetzt mehr oder weniger ist als beim letzten. In besonders guten Zeiten, muss ich mich beeilen, denn schon zwei Tage später kann der nächste Bogen im Briefkasten sein. Ich muss langsam aber sicher davon ausgehen, dass jeder Mitarbeiter der ARGE schon einmal meine Akte in der Hand hatte. Und jeder davon durfte einmal einen Berechnungsbogen und eine Zahlungsaufforderung schicken. Letztens waren sie vergleichsweise zu sonst immer kreativ. Da wollten sie, dass mein Vermieter eine Bescheinigung über die Mietkosten sowie Nebenkosten ausstellt. Nicht, dass ich das vor 3 Monaten nicht selbst angegeben habe. Nicht, dass ich vor 2 Monaten die Nebenkostenabrechnung geschickt habe. Nicht dass die Kosten seit Jahren konstant sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich zu meinen Ungunsten vertan habe, ist doch recht gering. Aber vielleicht habe ich auch zu viel angegeben, bei der aktuellen Wohnungsmarktsituation könnte man auch denken, dass die Miete gesenkt worden ist und ich dies einfach nicht publik machen will.

Vielleicht wird auch all das, dagegen ist die Sache mit dem 6 Monate Bewilligungszeitraum gerade mal ein Witz, anders. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Vielleicht könnte man wieder mal neue Begriffe in Angriff nehmen, als Kunde hatte man sich ja nicht wahrgenommen gefühlt. Vielleicht soetwas wie Konsument, Interessent, Abnehmer oder auch ganz edel: Gast. Vielleicht werden sich die ein oder anderen Veränderungen ergeben durch die Flüchtlinge. Wenn, aber wirklich nur dann, wenn die Massen an Menschen unserer tollen Kultur keinen irreparablen Schaden zu zufügen, oder gar unsere gesamte Kultur vernichten, unser Leben wie wir es jetzt kennen zerstören, ja nur dann kann es auch Verbesserungen für die wahrlich vom-Schicksal-geplagten-Menschen geben, wie ich finde aus meiner Perspektive, mich. Und für alle anderen, die es aus ihrer Perspektive ähnlich sehen, auch. Machen wir uns doch nichts vor. Egal wie schlimm der von den Flüchtlingen herbei geführte Weltuntergang sein mag- eine ARGE wird es überstehen. Zur Not mit neuem Logo.

Foto: (Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de)

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