Karma und Kismet

223763_web_R_B_by_Reinhard Sandbothe_pixelio.deKismet ist so eine Art Schicksal oder ein Los. Ich hatte ja schon mal von meinem Los gesprochen. Angesichts der Tatsache, dass er sehr viele Texte schon in diesem Blog gewidmet bekommen hat, ist es umso ungewöhnlicher, dass er keinen Namen trägt. Wir hatten schon meine Ängste verarbeitet, meine Gewissensbisse, meine romantische Ader diesbezüglich, meine Hoffnungen, ach was weiß ich nicht alles. Dabei nicht zu vergessen, die Zeit heilt alle Wunden. Ich hoffe, auch ohne nachgesehen zu haben, dass es so einen Text gibt. Weil jetzt sind wir wohl einen Schritt weiter und manchmal fällt das erst einem auf, wenn es so weit ist.

Mein Ex ruft mich an und ich muss zur Arbeit, ich trage schon meine Jacke. Seine Geldkarte spinnt wohl, ist nicht gültig, funktioniert nicht. Warum ich das so ausführlich gekürzt vortragen muss, nun ja es ist eine Art Fast-Zitat. Im Sinne von schnell und ungefähr. Denn, auch wenn mein Ex kein großer Rhetoriker ist, so hat er eins drauf, schnell zu sprechen, viel zu erklären, ohne dabei etwas zu sagen, denn nur auf diese einzigartige Weise fällt dem Zuhörer weniger der Widerspruch in der Aussage auf. Ich habe ihn abgewürgt, ich fasse es nicht, ich habe ihn tatsächlich abgewürgt. So völlig ohne darüber nachgedacht zu haben, dass ich es ihm jetzt einmal heimzahlen könnte. Vielleicht war das auch weniger überraschend, da das Geldleih-Problem wohl bekannt ist. Ich war so stolz auf mich. Einmal, mögen hier viele weitere Male folgen. Da meinte er noch drohen zu müssen, dass ich auch keine Hilfe mehr von ihm bekommen würde oder so ähnlich. Jetzt könnte ich hier oder auch in dem Moment ausgeführt haben wobei er mir alles nicht geholfen hat, stattdessen habe ich nur aufgelegt.

Habe ich schon erwähnt, dass ich unheimlich stolz auf mich war? Dann kam ich am Bahnhof an und nichts fuhr mehr. Irgendein technisches Problem, was zwar behoben werden wollte, aber noch nicht behoben worden war. Dann kam noch ein Unfall dazu. Der Bahnsteig füllte sich, einzelne Bahnen kamen, leider war der Bahnsteig so voll, dass ich sie kaum sehen konnte, geschweige denn in eine einsteigen. Und so wartete ich und wartete, es regnete, also erübrigte sich die Idee, ein Stück weit zu Fuß zurückzulegen. Bis ich in Erfahrung gebracht hätte, wo ich doch so gut die Straßenbahnen nutzen kann, wie ich sonst in die Altstadt komme, wären alle technischen Probleme sowieso behoben. Also wartete ich weiter und wartete.

Auf der Arbeit angekommen, bietet sich ja so an, dass da etwas zu erledigen ist, was eigentlich gestern schon erledigt sein sollte. Alles ganz wichtig, muss sofort fertig sein und alle anderen kommen noch später als ich. Ich weiß nicht, was ich als Erstes tun soll, eins wichtiger als das andere. Dann muss ich noch ein Telefonat führen. Das Schöne, wenn man der Chef ist, dass man sagen kann, suche mir die Nummer heraus. Nur leider bin ich hier nicht der Chef, das heißt ich bin die Frau, die die Nummer herauszusuchen hat. Und um so dringender man eine Telefonnummer braucht, desto schwieriger ist es sie zu kriegen. Humor beweist der Zufall, wenn man, um eine Nummer zu kriegen, mit drei Leuten sprechen muss und die gesuchte Telefonnummer gehört zu einem unaussprechlichen Namen. Nicht dass die Person besonders böse ist, das sicher nicht, nur der Name ist halt einen halben Kilometer lang und die Zunge überschlägt sich bei jeder einzelnen Silbe. Sogar die Emanze in mir ist nicht für Doppelnamen. Nein, ich bin früher einmal, als es mit dem da oben noch besser lief, der festen Überzeugung gewesen, dass wenn wir heiraten, er auf jeden Fall auch „Szyca“ heißen sollte.

Natürlich ließ sich das Übliche, was sonst immer auf der Arbeit schief geht, auch nicht nehmen, auch wieder schief zu gehen. Unterlagen sind weg, ich verwechsele was, ich habe mein ganzes Repertoire in diesen einen Tag gebracht, gefühlt. Und es wurde auch nicht besser als ich darauf angesprochen wurde. Im Nachhinein betrachtet fragte ich mich schon, einzelne Tage sind sicher beschissener als andere, wieso das alles schief laufen musste. Es war schon besonders. Ich bin immer nett, versuche es zumindest, mir ist nichts zu aufwendig, um jemandem anderen einen Gefallen zu tun. Da wollte ich das eine einzige Mal nicht und diese Person hat es wirklich verdient und schon wurde ich bestraft, schon lief alles schief. Das ist so gemein mit dem Karma, aber es bestätigt mich darin immer mein Helfersyndrom auszuleben, auch wenn ich dafür das eine oder andere Mal belächelt werde. Und was die oben genannte Situation angeht, für die hat es sich gelohnt mal eine Ausnahme zu machen und das kann ich jedem da draußen nur empfehlen, mir geht es jetzt wirklich besser.

(Foto: Reinhard Sandbothe / pixelio.de)

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