Pippifax Teil 2

Fortsetzung vom 26.06.16 … 114095_web_R_by_Sascha Sebastian_pixelio.deIch würde so gerne mit jemanden darüber reden. Wenn Hubert Recht behält und Lisa auf der Suche nach einem Ehemann ist, wird sie ewig auf sich warten lassen, bei diesem mangelnden Angebot. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, wenn sie eben das Mädel befragt hätte. Vielleicht hat sie ja auch die Suche aufgegeben, denn kaum hab ich den Gedanken zu Ende geführt, kommt sie wieder rein. „Man bin ich froh dich zu sehen. Vielleicht willst du dich erstmal setzen. Denn ich werde jetzt etwas tun, dass ich sehr gut kenne, aber ich könnte mir vorstellen, dass du diese Erfahrung noch nicht gemacht hast.“
„Hä? Soll das jetzt eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz werden? Das ist strafbar, das weißt du, ne?“
„Eigentlich wollte ich dich nur nach deiner Meinung fragen zu einem Gespräch, was ich gerade hatte, aber wenn du auf der Suche bist, könntest du auch Hubert fragen. Denn wer einen so tollen Kulli hat, der hat es bestimmt drauf.“
„Ne lass mal. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Worüber wolltest du denn mit mir sprechen?“
„Ich hatte eben ein Mädel hier, das wurde vergewaltigt und ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen. Kommt das öfters hier vor? Da nimmt einer sie als Anhalterin mit und dann will er ein Video schauen, gibt ihr Maracujasaft und so unbeholfen wie das eingeleitet wurde, so skrupellos ging er endgültig vor. Sie war erst 17. Die Eltern haben sie eben erst abgeholt. Oh man.“
„Maracujasaft und ein Video? Und dann eine Vergewaltigung? Mehrfach?“
„Ja. Wieso fragst du?“
„Um deine erste Frage zu beantworten; Nein. So häufig kommt das hier nicht vor. Aber die Geschichte kommt mir bekannt vor. Am Anfang meiner Ausbildung vor sieben Jahren 1984, gab es einen ähnlichen Fall. Ich hatte versucht einzelne Informationen zu sammeln. Warte mal ich suche meine Notizen raus. Besonders berührt hat mich damals, dass es hier in einem so kleinen Ort, in dem ich auch wohnte, passiert ist und dass das Mädchen so alt war wie ich. Das gibt einem zu Denken, ob du willst oder nicht. Und das war sehr ähnlich. Es gibt viele Parallelen. Ah, hab sie. Da steht es; Zwei Männer sprachen drei Mädchen in der Disko an. Ein Mädchen namens Claudia ging mit. Sie sollte mit ihnen ein Video schauen. Und zu trinken gab es, du ahnst es wahrscheinlich schon, Maracujasaft. Der jüngere musste dann nach Hause gefahren werden. Sie blieb dann allein zurück. Die Tür wurde wohl vorher verschlossen. Als der ältere Mann wieder zurückkam, hielt er ihr schon eine Waffe vor. Er wollte das sie sich auszieht und fingerte an ihr herum. Sie meinte, er müsste die Waffe weglegen, sonst könnte sie nicht. Und als er es endlich tat, ergriff sie die Waffe. Er drohte ihr mit Gefängnis, redete weiter auf sie ein. Sie flüchtete ins Badezimmer, dies ließ sich nicht abschließen. Also kam sie wieder raus. Sie legte die Waffe ab, er nahm sie und hielt sie ihr ins Genick, zog sie an den Haaren. Ausgezogen sollte sie sich hinlegen. Er zog sich auch aus und legte die Waffe so hin, dass sie in den Lauf schauen musste, während er sie vergewaltigte. Während der Vergewaltigung drohte er ihr immer wieder sie zu erschießen und sie auf der Müllhalde zu vergraben. Anschließend sollte sie sich wieder anziehen und ins Auto steigen. Unterwegs schmiss er sie raus.“
„Das ist genau die selbe Beschreibung. Eins zu eins. Das muss doch der selbe Täter gewesen sein. Und was ist dann passiert?“
„Sie war dann hier mit ihren Freundinnen und wollte Anzeige erstatten. Und jetzt kommt etwas, wo sich die Polizei wirklich nicht mit Ruhm bekleckert hat. Sie soll wohl gefragt worden sein, ob sie einen Orgasmus gehabt hätte. Das Ganze wurde als Pippifax abgetan und obwohl sie alles beschreiben konnte und der Täter sogar auf der Wache war, kam es nicht zu Ermittlungen, da sie überraschend die Anzeige zurück gezogen hatte, weil man ihr wohl mitteilte, dass ihr wohl das Jugendheim droht. Ich weiß, dass das alles recht widersprüchlich ist, was ich hier gesammelt habe. Ich habe einiges aus den Zeitungen heraus geschrieben und einiges hier aufgeschnappt. Komischerweise waren sie hier nicht so auskunftsfreudig, wie ich gedacht hätte. Frag mich nicht wieso. Normalerweise wurde ich in alles eingebunden. Ich dachte damals, dass sie mich nicht damit belasten wollten, aufgrund meines Alters zu Beginn der Ausbildung. Leider weiß ich nicht, wer damals die Ermittlungen geleitet hat. Aber Hubert müsste das wissen.“
„Dann muss ich mal Hubert fragen.“

„Hubert, komm mal. Ich hab da mal ne Frage an dich. Ich hatte heute ein Mädchen hier, was gestern vergewaltigt wurde. Und als ich mich mit Lisa darüber unterhalten habe, erzählte sie mir, dass es wohl ’84 einen ähnlichen Fall gab.“
„Später, später. Jetzt hab ich zu tun. Ähh ich erinner mich nicht. Ich weiß nicht, von welcher Sache du sprichst.“
„1984 , Vergewaltigung. Das Opfer hieß Claudia Wilhelm. Sie konnte das Haus des Täters so gut beschreiben, dass er wohl auf der Wache war. Mehr konnte mir Lisa auch nicht sagen. Weißt du, wer damals die Anzeige entgegen genommen hat?“
„Nee, da hab ich keine Ahnung. Kann mich kaum an die Sache erinnern.“
„Gut. Verstehe. Dann werd ich zu ihr rüber fahren und sie erneut befragen. Vielleicht ergibt sich dort was Neues. Lisa wird mich begleiten. Was sagst du?“
„Lisa? Ne, ne, ne. Ich fahr mit dir mit. Du weißt ja, diese Weiber sind immer so emotional. Wir beide machen das schon. Lass uns jetzt direkt rüberfahren.“
„Ok ist gut. Wenn du es sagst. Die Adresse hab ich raus gesucht, falls wir sie nicht schon haben.“

„Guten Tag Frau Wilhelm. Dürfen wir für einen Moment reinkommen? Wir hätten da ein paar Fragen an sie.“
Verdutzt und wenig überrascht schaut sie Hubert und mich an. Sie bittet uns herein.
„Frau Wilhelm, mein Kollege und ich sind zu Ihnen gekommen. Es geht um die Anzeige wegen Vergewaltigung, die Sie 1984 aufgeben wollten, sie dann aber zurückgezogen haben. Bei einer Prüfung ergaben sich mir noch Fragen, die ich gerne mit Ihnen klären würde.“
„Oh nein. Die Polizei dein Freund und Helfer. Wenn man dem richtigen Kreis angehört, dann sicher. Leider war ich aber nicht auf der richtigen Seite oder hatte entsprechende Beziehungen. Die Sache von damals werde ich weder verzeihen, noch vergessen. Aber ich habe beschlossen nie wieder daran zu denken. Und das ist doch auch sicher im Interesse ihresgleichen.“
„Was meinen Sie damit?“
„Ich habe die Anzeige damals zurückgezogen, weil man mich nicht ernst genommen hat. Mit Hilfe des Jugendheims hätte ich mehr Probleme gehabt als vorher. Und auch eine Frage über sich ergehen lassen zu müssen, ob man denn einen Orgasmus gehabt hätte, kann nur ein primitives Tier stellen. Können sie sich vorstellen wie sich das anfühlt, nachdem sie ihren ganzen Mut aufbringen mussten die Geschichte zu erzählen?“
„Wenn ich Ihnen sagen würde, dass ich es kann, würde es nicht stimmen. Aber ich gebe mir größte Mühe Ihnen zu helfen. Helfen Sie mir also dabei. Und natürlich ist die Frage nach einem Orgasmus während einer Vergewaltigung pietätlos und unangebracht.“
„Wissen Sie, wie das ist, wenn Sie im Heim aufwachsen und wenn Sie ein uneheliches Kind sind? Und das Ganze im erzkatholischen Bayern? Man kann mir keinen Vorwurf machen, dass ich alles auf mich genommen habe, um dem Heim zu entkommen. Auch wenn das zur Folge hatte, dass er gewonnen hat. Und ich denke es ist alles gesagt. Wir hatten schon zu viel miteinander zu tun, meine Herren.“
So geht die Tür hinter uns zu. „Das war so informativ und detailliert. Hubert, ich dachte du sagst auch etwas, wo du doch unbedingt mitkommen wolltest.“
„Ach Jungchen, du hast das so gut gemacht. Das hätte ich auch nicht besser machen können. Wir bösen Männer. Mit uns braucht man ja nicht zu reden. Wahrscheinlich wollte sie sich nur wichtig machen. Wahrscheinlich hat sie nur bekommen, was sie wollte und danach hat sie Angst gekriegt. Und einer musste herhalten, damit sie nicht als Flittchen dasteht. Alleine die Sache, dass sie zwar mit einer Waffe bedroht wurde, die Waffe aber an sich nehmen konnte, sie dann aber doch dem angeblichen Vergewaltiger zurückgegeben hat, wirkt doch sehr an den Haaren herbei gezogen, findest du nicht?“
„Ja vielleicht. Deshalb hätte ich sie ja gerne befragt. Aber ich dachte du könntest dich nicht an den Fall erinnern und jetzt fällt dir so ein Detail ein? Ist dir denn mittlerweile eingefallen, wer damals die Anzeige aufnehmen sollte?“
„Ähm, äh… ne. Weiß ich immer noch nicht. Fällt mir vielleicht noch ein. Wenn ich es weiß, sag ich dir Bescheid.“ …

(Foto: Polizeiauto Dietmar Meinert / pixelio.de)

Fortsetzung folgt am 30.06.16

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