Pippifax Teil 3

678342_web_R_K_B_by_Maja Dumat_pixelio.deFortsetzung vom 28.06.16 … „Lisa?“
„Ja? Warst mit Hubert bei Claudia Wilhelm, ne?“
„Das war wirklich seltsam. Ich wollte ja eigenich mit dir dahin, er hat sich mir ja förmlich aufgedrängt. Und als wir dann endlich da waren, sagte er nichts und starrt sie nur an und beobachtete mich nur. Weil ich es angeblich so gut gemacht habe alles. Kaum sind wir draußen, kann er sich an Details von dem Fall erinnern, von dem er heute Morgen noch behauptete, dass er von seiner Existenz nichts wüsste. Du weißt, welcher Verdacht sich mir aufdrängt, oder? Aber du kennst ihn länger als ich. Würdest du ihm so etwas zutrauen? Wir halten ihn doch sicher beide für die erste männliche Emanze, aber das wäre ein anderes Kaliber. Rate mir bitte etwas.“
„Hubert, primitiv ja. Nervtötend, sicher. Aber seinen Polizeiposten liebt er wie sonst was. Näher wird er einem Amtsträgerposten nicht mehr kommen können. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Was willst du jetzt machen?“
„Vielleicht machen wir das einzigst wahre, logische. Wir versuchen ihn weitgehends aus unseren Ermittlungen rauszuhalten. Aber bei einer Sache hat er Recht. Es klingt ein bisschen komisch, dass sie ihm die Waffe abschwatzen konnte und er ihr die Waffe wieder wegnehmen konnte. Alleine, dass sie da mitgegangen ist und wie schrecklich kann ein Jugendheim sein, dass man die Anzeige zurückzieht und riskiert als Lügnerin dazustehen. Du hast doch selbst gesagt, dass das alles etwas widersprüchlich ist. Kannst du dir vorstellen, dass da ein Mädchen aus dem Heim einfach mal auf sich aufmerksam machen wollte, oder gucken wollte, was passiert, wenn… Kann doch sein, diese Fälle gibt es auch.“
„Ja sicher, diese Fälle gibt es auch. Und vielleicht hat man das damals bei der Anzeige auch gedacht. Auf der anderen Seite könntest du eine Kausalitätskette aufrecht erhalten, nachdem dir so etwas passiert ist und wäre alles, was du darüber zu sagen hättest, einwandfrei und nachvollziehbar? Und sagen wir mal Claudia Wilhelm hat gelogen, weil sie zu wenig beachtet wurde, wie erklärt sich, dass es sieben Jahre später einen ähnlichen Fall gibt, in dem das sich zu profilierende Opfer, sich dieselben Details ausdenkt? Zu viel Zufall für meinen Geschmack und meinen Berufsstand. Es deutet eher auf den selben Täter hin, als auf psychische Störungen einzelner. Vielleicht ist es auch dein Problem, dass du denkst, dass es in unserem beschaulichen Bad Bichelheim keine Verbrechen gibt. Dem ist nicht so. Erst gestern habe ich einen anhalten müssen, weil er über rot gefahren ist. Wenn du wirklich so denkst, ist das falsch. Wenn alle so denken würden wie du, würde es in Kaffs mehr Verbrechen geben, als in Großstädten. Sozusagen eine Art Kriminalitätswanderung. Wenn du was anstellen willst, stell es in nem Kaff an, nach der Wahrscheinlichtskeitsrechnung wird es da unter den Tisch fallen.“
„Glaubst du denn wirklich, dass es nicht sein kann, dass sie sich das ausgedacht hat? Wäre man dann nicht anders mit ihr umgegangen? Kann doch sein, dass sie im Ort als Baronin Münchhausen bekannt war. Und warum wurde sie nicht untersucht? Warum wollte sie heute Morgen nicht mit mir reden, mimt stattdessen das Polizeiopfer.“
„Tobias, ich weiß es nicht. Du hast die Wahl. Entweder du setzt alles daran deine Fragen beantwortet zu bekommen, oder du lässt es bleiben, hast deine Ruhe und spielst stattdessen mit deinem Kulli. Nackig, angezogen, nackig, angezogen, nackig… Bis zur Rente. Das geht, frag Hubert. Solltest du dich anders entscheiden, bin ich bei dir. Was machen wir als nächstes? Claudia, oder Vergewaltiger? Entschuldigung.. angebliches Opfer der Vergewaltigungsbehauptung. Ich frage nur falls die Entscheidung nicht auf den Kulli fällt. Sag mir morgen Bescheid.“

„Heute schon was vor?“
„Wieder einmal eine Anmache? Ohne einen Ring am Finger läuft da nichts. Meine Oma hat da so ne These bezüglich eines freizugänglichen Angebots.“
„Ich kannte bis jetzt nur den Vergleich mit den Kühen und der Milch, aber ökonomisch kann man das sicher auch erklären. Aber schön zu sehen, dass du nicht ganz so abgeneigt wärst. Ich wollte dich nur bitten, ob du mit zu Claudia Wilhelm kommst. Ich könnte mir vorstellen, dass wenn du dabei bist, sie redseliger ist. Ich hab mir da auch noch ne bessere Taktik überlegt. Ach ja, noch ne Sache, die ich klären wollen würde. Falls ich gestern irgendwas gesagt habe, oder deine Gefühle verletzt habe, dann würde ich mich jetzt dafür entschuldigen.“
„Ich sehe du hast lange überlegt. Ich bin gerührt. Deine emotionale Kiste ist noch im Umzugswagen, ne?! Wäre dies eben eine Entschuldigjng gewesen, so hätte ich sie angenommen. Sag mal warum bist du eigentlich hier?“
„Umorientierung. Ich war einfach nicht zufrieden und außerdem geht es meinem Vater nicht mehr so gut und ich wollte ihn nicht seinem Schicksal überlassen. Und was machst du noch hier? Dass du nicht ganz ausgelastet bist, ist ja mehr als offensichtlich.“
„Meine Familie ist hier. Das ist eine Sache. Und manchmal bild ich mir ein, Pioniersarbeit zu leisten. Ich würde schon ganz gerne mal nach Berlin. Aber zur Zeit bin ich zu feige. Vielleicht irgendwann mal.“

„Ach guten Tag Frau Wilhelm. Ich bin es schon wieder.“
Witziger Weise guckt sie mich jetzt nicht mehr feindselig an. Der erste Eindruck täuscht sich nicht, denn sie entschuldigt sich sogar für ihr Verhalten mir gegenüber am gestrigen Tag. Sie bittet uns beide herein und diesmal bekommen wir sogar etwas zu trinken angeboten. „Frau Wilhelm, ich weiß, es ist schwer für Sie, aber ich habe noch Fragen und ich muss Ihnen auch was gestehen. Gestern bin ich nicht von ungefähr zu Ihnen gekommen. Vorgestern wurde eine Anzeige wegen Vergewaltigung aufgegeben und nach einem Austausch mit meiner Kollegin hier, haben wir beide festgestellt, dass es enorme Parallelen gibt zu der von Ihnen aufgegebenen Anzeige vor 7 Jahren. Meine Kollegin hatte nämlich versucht einzelne Fakten zusammen zu tragen. Es deutet alles darauf hin, dass das Mädchen vom selben Täter vergewaltigt wurde wie Sie damals. Sie haben mir bereits gestern erklärt, dass die Sache für Sie nicht mehr relevant ist und ich kann verstehen, dass Sie von der Polizei enttäuscht sind. Aber helfen Sie uns, diesem Mädchen zu helfen. Davon mal abgesehen, dass man davon ausgehen muss, dass er es immer wieder tun wird. So wie ich Sie einschätze, können Sie das nicht mit Ihrem Gewissen vereinbaren. Und im umgekehrten Fall hätten Sie Genugtuung, wenn er seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann. Frau Wilhelm, ich bitte Sie.“
„Frau Wilhelm, vielleicht wird es für Sie so einfacher sein. Ich habe Ihnen meine Notizen von damals mitgebracht. Vielleicht fällt Ihnen etwas ein, was Sie ergänzen möchten. Bitte schön.“ Sie guckt sich die Notizen von Lisa an. Nach 7 Jahren berührt es Sie mehr als gedacht. Ihre Hand zittert, die Lippen beben und ihre Augen werden feucht. Mit zittriger Hand gibt sie Lisa den Zettel wieder. Sie fängt an zu weinen und nickt nur.
„Frau Wilhelm es tut mir leid, aber ich habe noch Fragen an Sie. Können Sie mir beschreiben um welches Fahrzeug es sich gehandelt hatte?“
„Es war ein anthrazitfarbener BMW. Aber ich weiß nicht mehr welches Modell.“
„Wie sah der Täter aus?“
„Durchschnittliche Statur. Er trug einen Schnurrbart. Keine Brille. Blaue Augen. Die dunklen kurzen Haare waren vereinzelt schon ergraut.“
„Wie alt würden Sie ihn ungefähr schätzen?“
„So um die 45.“
„Wie sah das Haus aus?“
„Es war ein Fachwerkhaus mit vielen Fenstern. Für ein Fachwerkhaus war es groß. Auf der Seite zur Straße hin wirkte es leicht schief, als ob es leicht abgesackt wäre. Vor den vielen Fenstern waren Blumenkästen angebracht mit Begonien. Eine Art altrosa. Und ich weiß noch, dass ich dachte; ob die Fensterläden den Blumen, oder die Blumen den Fensterläden angeglichen wurden, da Sie die selbe Farbe zu haben schienen.“
„Da ist noch ne andere Frage, die sich mir stellt. Da ist noch die Sache mit der Waffe. In den Notizen steht drin, dass Sie ihn überzeugen konnten die Waffe abzulegen und dann an sich zu nehmen. So weit so gut. Aber wieso haben Sie sie wieder abgelegt, so dass er sie wieder an sich nehmen konnte?“
„Er sagte mir, es wäre alles nur ein Spaß gewesen, die Waffe wäre gar nicht geladen. Und dann wollte ich auch nur einfach weg und habe nicht so weit gedacht.“
„Was haben Sie mit der Maracujasaftflasche getan?“
„Die habe ich fallen lassen, als ich die Waffe ablegte.“
„Vielen Dank. Ich weiß, wie schwer es Ihnen gefallen ist. Ich werde mich melden, wenn ich was Neues weiß.“
„Jetzt wo wir da raus sind, muss ich dir eins sagen Tobias. Ich bin tief, tief beeindruckt. Eindrucksvolle Rede. Ehrlich, hätte ich dir nicht zu getraut.“
„Ich bin dafür ausgebildet worden. Am liebsten würde ich jetzt gleich zu ihm rüberfahren. Aber ich habe keine Ahnung, wie wir an seine Adresse kommen sollen. Alte Fachwerkhäuser abfahren?“
„Ich hab da mal was vorbereitet. Vielleicht fahren wir einfach zu der Adresse, die ich schon rausgesucht habe.“
„Woher wusstest du das?“
„Tja. Menschenkenntnis mein Freund.“ …

Fortsetzung folgt am 03.07.16

(Foto: Maja Dumat / pixelio.de)

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