Aufzug und Alptraum

532217_web_R_B_by_Erich Westendarp_pixelio.deApropos stecken gebliebene Aufzüge, hier ein Bericht, wie so etwas auch im Ausland ausgehen kann. Als ich vor Ort in Polen ankam, hing da noch an der Tür ein Zettel, dass es eine Störung am Aufzug geben würde, dass der Reparaturservice kontaktiert wurde, dass es schnellstmöglich repariert wird und „wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“. Und ich hatte noch Witze darüber gemacht, wenn die Hausverwaltung Zeit genug hat, einen solchen Zettel zu formulieren, zu gestalten mit Stempel, dann wird es wohl schon gedauert haben mit der Aussicht auf länger. Was soll es, ist ja nur der 6. Stock und weil die ja in Polen all ihre Häuser mit Halbparterre bauen, obwohl hier gibt’s die ja auch, habe ich ja schon ein Scala Mobil. Für alle, die das noch nicht kennen, die glücklichen da draußen, das ist so ein Teil, das wird hinten an den Rollstuhl gesteckt, und dann zieht es den Rollstuhl die Treppe hoch. Das war jetzt eine simple Darstellung eines komplexen Sachverhalts. Falls man jetzt meinen könnte, das hätte man sicher auch für die anderen 6 Stockwerke nutzen können, so sollte man dazu sagen, dass es theoretisch möglich wäre. Der Hersteller gibt hier an, dass eine Akkuladung 200 Treppen aushält. Ja, hatte ich eigentlich schon mal einen Text geschrieben zum Thema theoretische Messwerte der Leistungen? Wahrscheinlich muss man auch hier davon ausgehen, dass das Gerät ganz alleine die Treppenstufen befahren hat, ohne zusätzliche gewichtige Belastung und bestimmt auch nur abwärts. Also, kurz gesagt zu nie eintretenden Idealbedingungen. Praktisch ist das dann so, weil ich es ja an eigener Haut ausprobiert habe, sind es vielleicht 60, 70 Stufen. Ich habe das nämlich nicht ganz so ernst genommen mit dem nach jeder Nutzung einmal laden. So blieb das ganze schon mal stehen mitten auf der Treppe, als ich fünf Mal hintereinander die 9 Stufen der Halbparterre erklimmen wollte. Wat für ein Spaß.

Also Scala Mobil nur wenn es nicht anders geht und man genügend Zeit hätte, einschließlich eines Ladevorgangs auf halber Strecke. Vielleicht ist es Galgenhumor, aber ich hätte im Nachhinein doch gerne gesehen, ob die Nachbarn Einem Lade-Asyl gewährt hätten oder ob man genug Verlängerungskabel bis in den 6.Stock aufgetrieben hätte. Alle Anwesenden haben sich nach regelmäßiger Beratung doch immer wieder für die manuelle Variante der Barrierenüberwindung entschieden. Wie heißt es so schön, „wenn Gott irgendwo eine Tür zumacht, öffnet er woanders ein Fenster“, in meinem Fall wurde parallel das Treppenhaus renoviert und es gab Bauarbeiter. Eine Notlösung, aber besser als gar nichts. Natürlich versuchte man parallel auch herauszufinden, wieso und wie lange. Und das ist der Grund, warum dieser Text hier entsteht, auch wenn es mir eine Freude ist, die Praxistauglichkeit so mancher Hilfsmittel zu kommentieren. Im Nachhinein betrachtet habe ich den Eindruck, dass es mehr Theorien gab, wieso dieser Aufzug nicht funktionierte, als rund um die Freimaurer. Die Hausverwaltung hat die Rechnung nicht bezahlt, deswegen hat der Hersteller den Aufzug abgeschaltet. Irgendwer hat den Aufzug absichtlich kaputt gemacht, woraufhin der Hersteller sich weigern würde, den Aufzug erneut zu reparieren. Es fehlt eine einzelne Unterschrift, um die Reparatur bestätigen zu lassen. Irgendein Kabel konnte nicht angeschlossen werden. Mein Gott, bei so vielen Aufzugs-Experten wundert es mich gar nicht, dass schon die Flintstones welche hatten.

Der Grund ist ja erstmal egal, es gilt eine Lösung des Problems zu finden. Und daran ist die ganze Unternehmung während meines Aufenthaltes gescheitert. Meine Mutti, die kann ja sowas alles viel besser klären, als ich es jemals könnte, ich bin ja noch klein, die hat da überall angerufen und geschimpft wie so ein Kesselflicker und an der Stelle muss ich sagen, das hätte ich nicht gekonnt, dazu ist mir diese Mentalität zu unbekannt, hat natürlich auch den Nachteil, dass die Leute, die nur rum schimpfen, auch abgestumpft sind. Erreicht hat sie nichts. So wie er stand als ich kam, stand er auch noch als ich nach einer Woche wieder fuhr. Irgendwann war sie so verzweifelt, da hat sie sogar bei der Piss-Partei angerufen. Ja, ich weiß die heißen in Wirklichkeit PiS, aber, davon mal abgesehen, dass es lustiger ist, trifft es meiner Meinung nach besser das Gesamtkonzept. Und denen hat sie doch tatsächlich, als sie meinten, was sollen sie denn da machen, den Wahlslogan an den Kopf geschmissen, der da irgendwie heißt „zusammen machen wir das“. Ich war an der Stelle so überrascht und sie war so aufgewühlt, dass ich gar nicht mehr wissen wollte, ob sie denn gedacht hat, dass die vorbei kommen und zusammen anpacken. Ich glaube auch nicht, dass ich zu deren Klientel gehöre.

Schon beängstigend. Am Anfang fand ich es noch witzig, dann sitze ich halt einen Tag rum zu Hause und ab morgen fährt er wieder. Das habe ich mir wirklich gedacht, so naiv wie ich war. Am zweiten Tag machte ich mir Sorgen. Am dritten Tag wurde ich depressiv. Am vierten Tag aggressiv. Und am fünften Tag alles zusammen. Am sechsten Tag konnte mir das alles Scheiß egal sein, weil ich fuhr ja sowieso nach Hause. Und Fazit meines Urlaubes ist: er war Scheiße. Ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich über Polen lästere und wenn alle Stricke reißen auf der beruflichen Strecke, sollte ich vielleicht darüber nachdenken, das Uno-Spielen als olympische Disziplin auszuüben.

(Foto: Erich Westendarp / pixelio.de )

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