Das Pflegebett

139377_web_R_K_by_Paul-Georg Meister_pixelio.deIch kriege jetzt ein neues Pflegebett. Das alte, wie alt es auch immer sein mag, ich wohne jetzt in der Wohnung 8 Jahre und das Bett ist schon mit umgezogen, wie lange ich es vorher hatte, kann ich nicht sagen, hat den Geist aufgegeben. Eigentlich nicht wirklich, eigentlich ist nur das Band gerissen aus lauter Altersschwäche, was den Triangelhaken am Galgen festhält. Auch eine schöne Begrifflichkeit, dass man mit einem Galgen überm Kopf ins Bett geht und am nächsten Morgen mit dem selben wieder aufwacht. Liegt es wirklich nur an der Form der Sache oder wird Leuten wie mir damit gezeigt, was man von ihnen hält?

Nun, ich habe bei dem Sanitätshaus, was damals das Pflegebett ausgeliefert hat, angerufen bzw. bei dem, dessen die Geschäfte übernommen hat, nachdem das erstgenannte Pleite gemacht hat. Das hatte ich doch schon mal erwähnt, dass das Konzept mit den Sanitätshäusern für stille Beobachter leicht schief liegt, weil immer das Sanitätshaus zuständig ist, was ein Hilfsmittel ausgeliefert hat, was bedeutet, dass man an die gebunden ist und die jetzt nicht ganz so viel Motivation haben guten Service zu liefern. Als Kunde bleibt man sowieso erhalten.

Ich wollte nur dieses Band ausgewechselt haben, damit ich mich wieder zurecht rücken kann im Bett. Und ich beweise immer wieder, dass ich zu naiv für die Welt da draußen bin, habe ich mir gedacht, dass die das sogar per Post schicken könnten. Die Rechnung habe ich gemacht, ohne an die Fesseln der Bürokratie zu denken. Das sollte alles andere nur nicht einfach werden und simpel und schnell schon gar nicht. Erst einmal musste ja geklärt werden, ob die wirklich wirklich dafür zuständig sind, deshalb mussten sie mit der Krankenkasse darüber sprechen. Da mein Bett aber anderen Gefahrenzonen ausgesetzt war, als meine Rollstühle, hat sich herausgestellt, dass das Bett so alt war, dass es in der Dokumentation der AOK nicht mehr vorhanden war. Wenn meine Rollstühle nicht wären, hätte ich vielleicht aufgrund dieses Vorkommnisses Anspruch auf den „Pflegeversicherten des Jahres“. Wär doch auch mal eine Idee so einen Preis einzuführen, um ein bisschen Würdigung zu erhaschen, aber auf mich hört ja keiner.

Ich dachte, ich falle vom Stuhl, da rufen die mich zurück und teilen mir mit, dass sie dieses Bändchen, mir nicht zukommen lassen könnten, weil es ja dieses Bett nicht mehr gibt und so weiter und so fort, eigentlich habe ich es nicht ganz verstanden. Es war so kompliziert, dass ein neues Bett aufgrund des kaputten Bandes einfacher gewesen wäre, das muss man sich mal vorstellen, so ein 3,50€ Produkt und dafür ein ganz neues Bett. Das Bürokratie-Monster lässt grüßen. Das Bett hatte sowieso zwischendurch mal einen Wackelkontakt, also war es für mich persönlich nicht ganz so tragisch. Aber es sollte noch besser werden.

Ich dachte, da kommt einer vorbei und ich müsste mir ein Bett aussuchen, man müsste besprechen, was für Bedürfnisse ich habe blablabla. So eine Fachberatung, die zusätzlich Geld kostet, aber jetzt ging es doch ganz unbürokratisch. Die Dame erklärte mir, ich kriege so ein Standard-Bett, weil, nur wenn ich übergewichtig wäre, würde ich ein größeres Bett kriegen, ansonsten Standard. Juchu, da hat man so was schon im Geiste. So ein Pflegebett passt, egal wie viel man sich Mühe gibt, nie zur Wohnungseinrichtung, aber was einen besonders stört, sind die Räder, die sich noch zusätzlich durch das glänzende Metall besonders absetzen und die habe ich das letzte Mal beim Umzug gebraucht. Ob man da nicht drauf verzichten könnte, wäre sowieso günstiger, habe ich gesagt. Und natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, als sie dann meinte, nein, das wäre auch Standard wie bei einem Krankenhausbett, zu erwähnen, dass ich ja nicht regelmäßig in der Wohnung zum Röntgen gefahren werden müsste, dass es ja nicht notwendig wäre. Da hat sie nur gelacht und es erklärte mir diese Fachkraft für was auch immer einen Spezialbereich auf eine überhebliche Art und Weise, dass das ja ein Bett wäre, in dem Menschen gepflegt werden sollen und dass man ja von allen Seiten herankommen muss, und deshalb müsste das Bett mobil sein.

Ja, da ist der Gegensatz wieder, Experten in der eigenen Sache und Experten für die eigene Sache. Die wissen das alles besser. Ich will jetzt der Frau nicht unterstellen, dass sie als Telefon- und Sachbearbeiterin noch nie ein Pflegebett gesehen hat, aber ich wage zu behaupten, dass sie es noch nie benutzt hat, schon gar nicht in der Verbindung mit einer Durchschnitts-Wohnung für Normalsterbliche. Denn wäre dies der Fall gewesen, dann wüsste sie, dass man in einer Wohnung selten Platz hat, um das Bett hin- und herbewegen zu können, zumal frage ich mich, ob es so gesund für die Leute ist, nur im Bett zu liegen. Was ich auch aus eigener Situation heraus ganz dreist behaupte, dass nicht jeder, der ein Pflegebett braucht, auch bettlägerig ist. Aber wie gesagt, vielleicht kenne ich mich damit nicht so gut aus.

Und wieder einmal mein Appell ins Leere: redet mal mit den Leuten, die davon betroffen sind. Ich werde nicht aufgeben zu hoffen, dass das irgendwann, wahrscheinlich später als früher, berücksichtigt wird. Aber wahrscheinlich kenne ich mich auch mit diesem Problem zu wenig aus.

(Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)

 

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