Außenwirkung

721391_web_r_by_bernd-schmidt_pixelio-deIch habe ein Buch gelesen von Thorsten Havener. Es ging dabei um Körpersprache und auch um Manipulation. Und einiges mehr. Was mir in Erinnerung geblieben ist, war ein Absatz über die Tatsache, dass Menschen die größer sind, und ich gehe davon aus, dass das vertikal gemeint ist – nicht horizontal, dass sie als mächtiger, leistungsfähiger, belastbarer und attraktiver wahrgenommen werden. Tja, ich weiß nicht wie groß die Menschen, die da draußen meinen Blog lesen tatsächlich sind, aber es ergibt sich, dass solche Aufzählungen mir einiges zu denken gaben.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Wenn also Erfolg mit Körpergröße assoziiert wird, was heißt das also für mich? Würde ich jemals auf die Beine gestellt werden, so wäre meine Körpergröße vielleicht, 1,62m. Durch die Eigenoptimierung meines Körpers, sind die Sehnen an den Knien oben länger und unten kürzer. Sprich: meine Beine wären dann noch nicht mal gerade. Das ist ein rein hypothetischer Fall, weil ich nun mal nicht stehen kann. Objektiv betrachtet, realistisch gesehen, und ich gehe davon aus, dass es so ist wie mich die Menschen sehen, bin ich vielleicht nur 1m groß. Und hier kommt es sogar darauf an in welchem Rollstuhl ich gesehen werde. Also noch kleiner.

Wie gesagt: da fiel mir einiges auf. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, warum es für mich so schwierig ist respektiert zu werden, als Autorität angesehen zu werden, oder dass man mir auch was zutraut und mich nicht auf meine Behinderung und meine Andersartigkeit herunter reduziert. Ich kann natürlich mit noch mehr Selbstbewusstsein dagegen halten, aber es ist immer wieder anstrengend, feststellen zu müssen, dass ich mir den Respekt anderer Menschen erarbeiten muss. Besonders in Vorstellungsgesprächen fällt mir das auf. Da kommen Menschen zu mit, die was wollen, und trotzdem habe ich regelmäßig das Gefühl, dass mich mein Gesprächspartner nicht ganz so ernst nimmt, wie es sein könnte. Oder ich sollte das gar nicht so sehr persönlich nehmen. Es gibt auch Menschen, die einfach kein Benehmen haben oder Situation nicht so recht einschätzen können. Und Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, ob damit mein Schicksal besiegelt ist. Es ist sicher kein Geheimnis, dass für mich einige Tätigkeiten oder Hürden schwieriger zu nehmen sind als für andere, die nicht behindert sind.

Was kann ich also tun, um es mir und anderen zu beweisen? Vielleicht sollte ich die inneren Einstellungen verändern. Zu einem zufriedener sein mit dem was ich habe, zum anderen könnte mir die arrogante Grundeinstellung verhelfen. Ich weiß gar nicht, ob ich so sehr arrogant bin, aber ich glaube schon, dass ich teilweise nach außen hin so wirke. Vielleicht ist es auch weniger Arroganz sondern Selbstbewusstsein, das ich an den Tag lege und das wird als arrogant angesehen, weil man vielleicht mir das nicht zugesteht in meiner Situation. Aber wenn ich auch ganz ehrlich zu mir bin, mich stört es dann doch. Geht es Euch nicht genauso? Ich hasse einfach Grenzen meiner Handlungsfähigkeit. Ich habe Visionen, jetzt nicht auf das Mystische bezogen, ich halte mich nicht für ein Medium, ganz im Gegenteil, kaum einer ist so bodenständig wie ich. Aber ist es denn so schlimm, wenn man ehr will? Chancengleichheit für alle? Und ich wünschte, ich könnte auch was an meiner Körpergröße verändern. Jetzt auch wieder im vertikalen und nicht im horizontalen Sinne. Und jetzt, ganz ungewollt, bin ich doch wie alle anderen auch. Also besteht noch Hoffnung für mich.

(Foto: Bernd Schmidt  / pixelio.de)

 

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