Kuschelkurs

212479_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.deNa du. Ich hab so meine Probleme mit dem `Du`. Ich denke, wenn die deutsche Sprache ein `Sie` im Angebot hat, sollte man von diesem auch Gebrauch machen. Ich könnte mir gut vorstellen, jetzt wo das `Du` immer mehr durchkommt, dass das `Sie` irgendwann aussterben könnte. Und ich bin ganz froh, dass ich bei meiner ungesunden Ernährung, das wahrscheinlich nicht mehr erleben werde. Wann ist das nur aufgekeimt? Durch IKEA?

Ich weiß, es wirkt dadurch familiärer, jugendlicher, moderner. Was weiß ich nicht. Aber es wirkt nun mal anders, wenn doch ein `Sie` verwendet wird, weil das `Du` auch ganz gerne respektloser, unprofessioneller und distanzlos wirkt. Wenn man zum Beispiel seine Vorgesetzten duzen soll, dann vergreift man sich ggf. im Ton, oder der Vorgesetzte selbst empfindet das als Respektlosigkeit, auch wenn es nicht so gemeint ist. Wo habe ich das nochmal gehört, es ist einfacher zu sagen `Du Arschloch`, als `Sie Arschloch`?

Wie gesagt, ich finde es sehr befremdlich. Was ist denn gegen eine sprachliche Differenzierung im Sinne der Hierarchie einzuwenden? Aber da gibt es noch einen anderen Aspekt. Und vielleicht bin ich auch deswegen so empfindlich, wenn ich geduzt werde. Und damit mein ich nicht Leute, die ich kenne. Aber wenn man im Supermarkt geduzt wird, oder vom Securitymann wenn man in die Bahn einsteigt, dann weiß ich nicht, ob ich das ganze mit Humor nehmen soll, weil ich so jugendlich aussehe, oder ob es nur daran liegt, dass derjenige der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Und es ist sicher kein Geheimnis, für niemanden mehr, dass man nicht unbedingt aus nem anderen Land kommen muss, oder wie es so schön heißt, einen Migrationshintergrund haben muss, um der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein.

Vielleicht gibt es da aber noch einen anderen Aspekt. Trotz höchster Kreativität der Faltenbekämpfung und ich hab das auch schon mal auf anderen Blogs gelesen, dass man mit einer Behinderung ggf. geduzt wird, weil man nicht für voll genommen, oder für mündig angesehen wird. Und das wär ein Stück. Wenn man die Sache genau betrachtet, welche Personengruppe wird immer aus Prinzip geduzt? Kleine Kinder. Und wieso duzt man sie? Weil es doch seltsam wäre, sie zu siezen. Sie sind noch bei weitem nicht mündig, ganz anders als man selbst. Stehen die auf einer Stufe mit einem selbst? Wohl nicht. Und wenn man das jetzt zurück auf behinderte Menschen projiziert, dann hat es einen ekligen Beigeschmack.

Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es bleibt nicht bei dem `Du`. Vielleicht ist es so, dass auf eine flachsige Anrede auch ein flachsiger Umgang folgt. Plötzlich darf man mich anfassen. Warum auch nicht? Schließlich haben wir auch schon im Sandkasten gespielt. Und wenn die Leute mich wirklich kennen würden, dann wüssten sie, ich habe nie im Sandkasten gespielt. Vielleicht auch daher mein Missverständnis. Ich gebe zu, manchmal bin ich doch eigen. Mein Rollstuhl gehört mir und da möchte ich nicht, dass man ihn als Stütze in der Bahn verwendet. Natürlich ist es mir lieber, wenn die zierliche Omi nicht hinfällt, nur weil die Bahn gerade losgefahren ist, aber es sind leider nicht nur die zierlichen Omis, die in mir, bzw. in meinem Rollstuhl eine weitere Haltestange sehen.

Ich möchte nicht, dass das `Du` verboten wird. Allein mein Kind, oder meine Eltern siezen zu müssen, finde ich abwegig. Aber ich wünsche mir, dass man bewusster damit umgeht und dass dieser Trend überdacht wird. Weil aus leichtsinniger Wortwahl, übergriffige Handlungen entstehen können.

(Foto: RainerSturm  / pixelio.de)

 

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