Invacare they can (2)

Invacare RollstuhlEingeführt wurde der Rollstuhl mit einer Lichtershow. Und er stand die ganze Zeit da und es war schon komisch, es ist ein Fluch. Der Mittelradantrieb, wo hatte ich das nochmal gesehen? Und da weiß man auch, dass gleich gesagt wird, dass er auf der Stelle drehen kann und so. Und auch dieser Rollstuhl würde für mich nicht in Frage kommen aber die Steuerung wäre eine Überlegung wert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine Steuerung mit Touchscreen nicht auf einen Rollstuhl mir Vorderradantrieb montieren könnte. Verfalle ich an dieser Stelle der Manipulation, weil ich jetzt was Leckeres zu essen bekommen habe oder will ich nur das Sanitätshaus ärgern, indem ich einen weiteren Rollstuhl vorführen lasse, bevor es zur endgültigen Bestellung kommt? Oder will ich mich an Permobil rächen, weil ich in all der Zeit keinen Kuli bekommen habe? Vielleicht hatte ich auch keine Lust einzelne Knöpfe mit Abnutzungserscheinungen mit Tesafilm zu verkleben. Denn die Argumentation, dass man ja nicht immer alle Funktionen sehen muss, auch wenn man sie nicht benötigt ist einleuchtend aber wenig überzeugend.

Ich habe an der Stelle ehrlich gesagt schon weiter gedacht, dass es bestimmt mehr Apps gibt, mehr Möglichkeiten. Und dann ist man bereit für die Zukunft. Ich will immer noch, dass mein Rollstuhl die Tür aufschließen kann. Und wer weiß, vielleicht können mir die Köpfe von Invacare bei meinen Visionen helfen, denn ich finde meine Idee immer noch nicht abwegig. Auch sehr schön fand ich, dass man im Rahmen einer Kundenbefragung das Produkt immer mehr angepasst und verbessert hat und so weiter. Da kenne ich auch noch so eine Firma die das machen könnte, die mich befragen sollte. Alleine das ist für mich reizvoll. Warum nicht es mit Leuten zu tun haben, die ihr Produkt an mich anpassen wollen und nicht von mir erwarten, dass ich mich mit deren Produkt arrangiere.

Es gibt jetzt aber auch kein Konzept, was nicht seine Nachteile hätte und es ist witzig wie diese Nachteile ausgelegt werden können. Plötzlich hieß es auch, dass der Rollstuhl durch seine Bluetooth Verbindung und seine App melden könnte, welche Teile kaputt sind, dass man die schon mal bestellen kann, was die Wartezeiten auf die Ersatzteile verkürzen würde. Ja.. aber, ich glaube an den Lieferwegen lag es nur bedingt. Bis dann so ein Sanitätshaus reagiert, bis dann der Kostenvoranschlag erstellt ist, bis dann so eine Krankenkasse ihn erhält und ihn auf Herz und Nieren prüft und ihm zustimmt, bis dann das Sanitätshaus diese wiederum zur Kenntnis nimmt und sich in der Lage sieht eine Bestellung aufzugeben, bis dann auch ausgeliefert werden kann… ich bin zynisch, ich weiß, aber es stimmt doch. Wobei ich auch anmerken will, dass es weder an der Krankenkasse noch am Sanitätshaus liegt, laut eigenen Angaben.

Naja, an der Stelle gehe ich auch davon aus, dass ich dieses System, wie sie auch betoniert sein mögen, irgendwann aufstoßen lassen werde und dann ist es doch umso besser, wenn ein Hersteller schon vorher mitgedacht hat und zumindest den Weg, an dem er beteiligt ist, verkürzt hat. Davon mal abgesehen, dass es mich immer schon massivst interessiert hat, was denn da kaputt ist und wie das ganze zusammen wirkt und so weiter. Ich finde, das sollte für mich zur Allgemeinbildung gehören, und ist das nicht schön, wenn ein Rollstuhl mir einem kommunizieren kann?

Der Teil ist also super, nicht umsetzbar aber super. Wo ich raus war, aus den Visionen war an so Stellen wie: Dass der Rollstuhl ja auch mitteilen würde, wenn der Akku immer leer gefahren wird, dass es ja als Serviceleistung angesehen wird, wenn man den Nutzer anrufen könnte „Ey, lad‘ mal deinen Rollstuhl.“ Hört sich ja erstmal nach Serviceleistung an. Ok, aber heißt das dann nicht auch, dass die auch mich damit überwachen? Spätestens wenn ich meinen Rollstuhl lade bin ich im Bett. Man kann so meinen Tagesablauf kontrollieren. Vielleicht ergeben sich dann ganz neue Möglichkeiten. War das nicht auch bei den Smartphones schwierig, dass man da gut durchleuchtet werden kann? Und ist es nicht auch so, dass in so eine Krankenkasse, die ja Geld dafür bezahlt, glaubt dass ich mich zu fügen habe, was macht man, wenn dann plötzlich Vorschläge kommen sollten wie: „Frau Szyca, 5 Stunden Schlaf reichen nicht aus, gehen Sie mal früher ins Bett.“ Anschließend drohende Konsequenzen. Könnte das nicht der Fall sein? Oder bilde ich mir das ein?

Ich hatte nochmal nachgefragt, das lag mir dann doch recht schwer im Magen. Nein nein, Invacare bekommt die Daten nicht, die bekommt der Leistungsträger. Leistungsträger, habe ich auf der Rehacare gelernt, heißt Sanitätshaus. Was soll ich sagen? Mit denen bin ich ja ganz dicke. Das kann für mich bestimmt nur von Vorteil sein, wenn Menschen mit denen ich immer wieder anecke, mir dabei helfen sollen eine besserer Mensch zu werden. Ja und ich wette es ist dabei sicher auch hilfreich, dass das Sanitätshaus Geld erhält von der Krankenkasse und nicht von mir. Ich weiß es nicht, ich habe so eine Vorstellung von 1984 auf Rädern.

Fazit: Nicht alles was neu ist, ist immer zu akzeptieren, ohne Vorsicht zu genießen. Nicht alle technischen Möglichkeiten müssen sein, nichtsdestotrotz würde ich gerne diesen Weg begehen, auch wenn man sich der Zukunft verschließen kann, man wird sie nicht aufhalten können. Und ich glaube Invacare hat mit diesem Rollstuhl einen Schritt in Richtung Zukunft gemacht, was nicht heißen soll, dass der Weg hier zu Ende ist. Ich wäre gerne den Weg mitgegangen, leider bietet Invacare keine stehenden Rollstühle an und die Sache mit Mittelradantrieb schließt sich Dank der Rheinbahn für mich aus. Schade. Wirklich, wirklich schade. Einen Versuch wäre es wert gewesen.

Quelle Foto: Broschüre Invacare

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