Hochzeit ist Ansichtssache

604652_web_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.deIch war letztens auf einer Hochzeit eingeladen. Eigentlich drücke ich mich immer vor Hochzeiten. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin in der Situation, in der man nicht gut wegkommt. Man hat doch normalerweise Angst als Single darauf angesprochen zu werden, wann es bei einem selbst so weit ist. Ja, auch ich habe darauf so gar keine Lust. Offiziell gibt es ja da auch niemanden. Von einer Internetbekanntschaft kann man ja an der Stelle nicht so viel erzählen. Aber was ich vielleicht sogar noch schlimmer finde, ist gar nicht gefragt zu werden. Erübrigt sich in meinem Fall diese Frage, weil es sowieso nicht so weit kommen wird? Und dann sitze ich da rum und gucke zu, wie die anderen gefragt werden. Nee, bei genauer Betrachtung ist mir das Zuschauen dann doch lieber.

Was kann ich noch dazu sagen? Wo fängt man da an? Die Zeremonie ganz nett, nicht ganz so spießig, wie ich gedacht hätte. Die Leute auch nett, aber lohnt sich der ganze Stress, der ganze Aufwand? Vielleicht ist es so, wenn man einmal das Hochzeitsthema ad acta gelegt hat, dass es einen auch nicht mehr berührt, wenn Fotos im Planetarium zu romantischer Musik eingeblendet werden. Oder spricht da nur der Neid aus mir? Ich hatte da Zeit zum nachdenken, merkt man das?

Was ich besonders interessant fand, das war die barriereunfreiheste Location, die man sich vorstellen konnte. Ein umgebautes Silo. Man kann niemandem den Vorwurf machen, man hätte mich nicht gewarnt. Vor Monaten als die Einladung kam. Und danach hatte ich es mir nicht mehr durchgelesen. Ich wollte ja meinen guten Willen zeigen und hingehen. Da stand ich auf dem Podest, auf der Empore, wie auch immer. An Ausblick fehlte es mir nicht. Aber sonst, kein Klo, kein Essen, kein gar nichts. Später wurde umgebaut, da kamen die Tische nach oben, damit unten eine Tanzfläche entstehen konnte. Und dann ging die Party erst richtig los.

Natürlich bereute ich im ersten Moment gekommen zu sein, man galt so als Freak, ganz oben ganz alleine und man hatte so viel Zeit alles zu beobachten. Ich könnte jetzt über die Klamotten lästern, schwarz war die Farbe des Abends. Ich weiß es nicht, ich wusste nur, dass man kein weiß trägt, damit man der Braut nicht in die Quere kommt und so weiter und so fort. Aber schwarz? Vielleicht sollte ich auch die Klappe halten, ich hatte ein rosa Kleidchen an, aber drumherum alles schwarz. Aber ich hatte diesen Farbtupfer. Gibt es eigentlich keine Gesetze, dass man schwarze Cocktailkleider mit Perlenketten nur auf Beerdigungen tragen darf? Wenn nicht, sollte man so etwas einführen, es wirkt komisch im Sinne von seltsam und lustig.

So jetzt könnte man meinen, ich bin gemein. Man möge meinem Menschenverstand vertrauen und daran glauben, dass es die Richtigen trifft. Nun saß ich also da, davon mal abgesehen, dass wenn man gewollt hätte, hätte man genau so viel Aussicht auf mich, wie ich auf die da unten, haben können. Aber weil da Tische drumherum gebaut wurden, konnte ich nur noch an der einen Stelle sitzen bleiben. Meine Familie war nett, meine Familie ist immer nett zu mir. Ich war keinen einzigen Moment allein, keinen einzigen Moment allein, wirklich keinen einzigen Moment allein. Noch nicht mal einen, um auf mein Handy zu gucken, ob er etwas geschrieben hat, wäre ja unhöflich. So saßen wir da immer in abwechselnden Besetzungen. Es wurde wirklich nicht langweilig. Mein persönliches, mein persönliches Highlight war, dass Perlenkette und schwarzes Cocktailkleid abwechselnd über die Hochzeit gelästert haben. Es wäre ja so langweilig, es gäbe ja gar keine Programmpunkte, blablabla. Was für Programmpunkte erwartet man denn da? Die Spiele, die keiner sehen will, und die Spiele, die man noch weniger spielen will? Es ist doch schön, wenn es nur eine große Party ist mit der Musik aus der eigenen Jugend, einmal quer durch die Charts der 90er.

Und dann fiel auf, den Damen vom Beerdigungsinstitut, dass ja niemand tanzen würde. Woher ich das weiß? Nun ja, ich wüsste es nicht, wenn diese Damen nicht die ganze Zeit an meinem Tisch gesessen hätten. Später als die Leute mit dem Essen fertig waren, tanzten sie dann doch noch. Da meinten die Damen um mich herum, „Gott sei Dank, jetzt tanzen sie zumindest. Die Deutschen sind ja so steif und so langweilig.“ Und woher weiß ich das nun wieder? An der Stelle saßen sie immer noch oben bei mir. Gott sei Dank, brachte mir ein kleiner Mann mit niedlicher Mickey-Mouse-Krawatte (war das eine Überredungskunst meinerseits) zwischendurch etwas zu essen und beteiligte sich entsprechend am Geschehen, wodurch er wahrscheinlich mehr vom Geschehen hatte, als so manch andere, mit denen ich sonst so zu tun hatte.

(Foto: Petra Bork / pixelio.de)

 

 

 

 

 

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