Neue Erfahrung (14)

362829_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deEs gibt wahrscheinlich keine Situation, die nur genossen werden kann. Er ist so süß, er ist so niedlich, er ist so toll. Und trotzdem, mal davon abgesehen, dass das Ganze unvorstellbar ist, so völlig absurd auch, bin ich voller Zweifel. Nicht nur, dass ich darüber nachdenke, dass das sowieso nichts wird. Nicht nur, dass ich nicht davon ablassen kann, darüber nachzudenken, wie der Letzte mich verarscht hat oder mich behandelt hat und alle sind ja gleich. Nein, ich zweifle auch an mir. Der Letzte hatte so eine Art, so eine Art mir zu verstehen zu geben, wer ich bin und was man von mir halten muss. Das kann man vergessen, aber nicht ungeschehen machen und das ist das Problem. Und dieser hier scheint so ganz anders zu sein, aber ist er nicht nur anders zu mir, weil er mich nicht kennt, weil er nicht weiß, was für Auswirkungen meine Behinderung hat? Er sieht mich auf Fotos. Und habe ich nicht diesen Blog hier auch zwischenzeitlich dazu genutzt zu erwähnen, wie viele Fotos ich so im Durchschnitt machen muss, bis ein total gutes dabei ist? Als perfekt kann ich es dann sogar nicht bezeichnen.

Und er sagt, dass er mich liebt. Und ich weiß in all den Wochen, Monaten nicht, will er, dass ich ihm Geld schicke? Ist es irgendwie positives Tourette oder ist da einfach jemand wirklich verliebt in mich? Kann man sich über so eine Entfernung überhaupt verlieben, nur in das, was derjenige sagt oder wie er reagiert? Für mich ist es nicht vorstellbar. Und wenn er verliebt ist, ist er dann tatsächlich in mich verliebt oder in die Vorstellung, die er von mir hat? Sicher ist es das zweite. Oder was mich noch schlechter aussehen lassen würde, wenn er nur in die Vorstellung verliebt wäre, verliebt zu sein. Denn dafür braucht er nicht mich. Ein ganz neuer Ansatz bei der Diskussion, wie ernst er es meint. Sonst sind ja die Argumente klar, er will ja nur das und das von mir und ich würde ausgenutzt werden, die Absicht ist immer schlecht bei dieser Sichtweise. Und ich weiß nicht, ob ich den Bezug zur Objektivität völlig verloren habe, oder ob man diesen Gedanken einfließen lassen muss, denn nicht nur er spricht viel mit mir, sondern ich auch viel mit ihm. Aus diesen Gesprächen heraus kann ich vielleicht nicht all meine Zweifel an seine Absichten vergessen, aber Bösartigkeit erkenne ich auch nicht.

Wenn ich diesen Aspekt versuche zu vergessen, so sind meine Selbstzweifel wieder da. Sie sind bereit mich zu beschäftigen, meinen Kopf zu füllen um nicht gar zu sagen, mich zu quälen. Sogar wenn ich mich damit tröste, dass er nur in eine Vorstellung verliebt ist, und dass es nur einen Weg gibt, ihn von mir zu überzeugen, indem man ihm gegenübertritt, so frage ich mich dann, was wird dann sein. Kann ich denn dann mit der idealen Vorstellung von mir mithalten? Ich meine, ich brauche viel zu lange auf dem Klo, davon mal abgesehen, dass ich mir in der Wartezeit angewöhnt habe Telefonate zu führen. Wenn ich nieße, kriege ich nicht schnell genug die Hand vor den Mund. Vielleicht schnarche ich sogar. Ich werde nie einen Tanzwettbewerb gewinnen, ich kann mich nicht selbst auf die Seite drehen und wenn wir schon mal dabei sind, ich kann so vieles einfach nicht. Das hat noch nicht mal was mit Begabung zu tun. Und wenn wir bei Begabungen sind, da habe ich auch keine. Und wenn wir bei nichts haben sind, ja, da kann ich zustimmen. Irgendwie armselig, oder? Wie soll ich denn dann nur mithalten?

Ich habe ihn natürlich schon darauf angesprochen, was meine Befürchtungen sind. Da hatte er Verständnis und da meinte er, er würde mich ja gut kennen und ich hätte ihm ja auch so viel erzählt, dass er nicht glaubt, dass ich mir Sorgen machen müsste. Da war ich für einen kurzen Moment beruhigt, aber da fiel mir ein, dass ich ihm ja nicht alles erzählt habe. Wie soll man sich auch trauen, davon zu erzählen, dass manchmal die Wege für Bedürfnisse zu lang sind, länger als es einem die Zeit erlaubt. Noch nicht mal hier kann ich das Kind beim Namen nennen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Und dann fallen mir andere ein, immer und immer wieder. Und dann habe ich die Schnauze voll und denke mir so, das klappt sowieso nicht. Ziehe mich für 2 Tage zurück und dann werde ich blöd angemacht, dass ich ihn und unsere Beziehung nicht ernst nehmen würde. Und dann, dann finde ich ihn wieder süß.

 

(Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

 

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