Gedanke

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Männer sind auch nur Menschen. Ich weiß, den Verdacht gab es schon länger.

Aber mittlerweile glaube ich, es stimmt.

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Über’s Schenken denken

OxfamUnverpackt Geschenk Mist ProduktbildAlle Jahre wieder muss man sich Gedanken über Geschenke machen. Das „Muss“ ist in dem Satz bewusst gewählt. Wo kann man denn zum Beispiel noch ohne Geschenke ankommen? Das gehört einfach dazu und ich finde es auch nicht schlimm, es müssen ja nicht immer die übertrieben großen Geschenke sein. Wenn man bedenkt, dass ich mir was überlege, was demjenigen gefallen würde, was ihm Spaß machen würde, was er sich gegebenenfalls nicht selbst gönnen würde, da setze ich mich doch mit demjenigen auseinander und dann ist das Geschenke machen nicht mehr ganz so kommerziell. Man kann nämlich auch verschenken, dass man gemeinsame Zeit verbringt, irgendwo hingeht. Es muss ja nicht immer das sein, was man irgendwo hinstellt, bei dem man sich spätestens beim Umzug Gedanken machen muss, was man damit macht.

Auf der anderen Seite muss ich feststellen, je älter ich werde, umso mehr missfallen mir praktische Geschenke, weil sie so praktisch sind, dass sie im Alltag untergehen. Und das ist auch immer schwierig es einzuschätzen, wenn ich beim gemeinsamen Kochen keine Knoblauchpresse habe, brauche ich dann wirklich eine Knoblauchpresse? Vielleicht benutze ich ja sonst keinen Knoblauch, oder ich will ihn nur noch in Scheibchen geschnitten in meinem Gericht sehen. Ich will jetzt nicht über meine Mutti lästern, ich mag sie ja, aber sie kann verdammt gut praktische Geschenke machen. So Übertöpfe, Leergutständer und so weiter, ich denke, man merkt worauf ich hinaus will, oder? Bin ich die Einzige die sich über so was nicht freut? Yeah! Ein Leergutständer! Es gibt wirklich so Sachen, die kann man sich kaufen, muss man aber nicht und wenn man sie geschenkt bekommt, ist das so, ich kann es nicht beschreiben. Ich hoffe ihr wisst, was ich meine.

Dann gibt es ja noch eine Kategorie der Geschenke. Was ist, wenn man ein äußerst eingeschränktes Budget hat, man weiß, dass der zu Beschenkende so gar nicht zufrieden zu stellen sein wird, man so gar keine Interessen miteinander teilt, aber man weiß, dass derjenige einem auf jeden Fall was schenken will. Das gute alte Pflichtschenken. Und am besten sollte es gar nichts kosten, aber man will ja auch keinen Ärger. Und trotzdem würde man sich gerne rächen für so ein Geschenk, das man letztes Jahr bekommen hat. Aber Geld ausgeben, nur wenn man sich rächen will? Und was ist mit so einem Komikgeschenk? Wie lustig sind diese Geschenke? Auch nicht so meins, dafür sollte mir mein Geld doch zu schade sein und man sollte auch Respekt vor seinem Gegenüber haben. Und wenn man weiß, dass ein Gutschein für einen Sexshop keinen Zuspruch findet, sollte man es lassen.

Was bleibt da übrig? Rubbellose? Dafür gibt es keine Geschenksets, ich habe nachgefragt. Und weil ich die Idee auch nicht sooooo fand, vor dem Hintergrund, dass ich das vor Kurzem zum Geburtstag verschenkt hatte, habe ich auch nicht ausgiebigst recherchiert. Dabei bin ich auf Ziegen gestoßen. Das hatte mir irgendjemand erzählt und ich hatte auch schon mal die Werbung von Oxfam gesehen. Tiere verschenken, na ja, aber man unterstützt damit wohltätige Projekte. Ist das nicht eine Idee für jemanden, der eigentlich schon alles hat? Und ich habe auch nichts gegen Geschenke, die anders sind. Vielleicht auch mal auf neue Ideen bringen. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie viel so eine Ziege kostet, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich viele Geschenkideen erledigen, wenn es um die Finanzierung geht. Eine Ziege für nur 28 Euro, das ist doch ungefähr das Budget was man so hat, vor allem wenn der zu Beschenkende zu zweit ist. Da gab es noch viele andere Ideen. Schulbildung für Mädchen, wer kann denn dagegen was haben? Das kann man doch nur unterstützen. Ich gebe zu, vielleicht fällt es auch schon auf, ich will denjenigen auf irgendetwas mit der Nase stoßen.

Erstmal fand ich das ein bisschen abwegig, aber, wenn man genauer darüber nachdenkt, geht es nicht bei Weihnachten darum, dass man mal an andere denkt? Dafür müsste doch jeder ein offenes Ohr haben, oder? Also mir hat das mit der Schulbank sehr gefallen, hätte ich schon fast bestellt, und die Seite ist auch sehr schön aufgemacht, vor allem auch sehr witzig. Das wohl mitunter Witzigste ist, dass man auch Mist verschenken kann, der dann wiederum als Dünger verwendet werden kann. Bei längerem Nachdenken, wenn man das jetzt noch in einem schönen Gedicht verpackt, so nach dem Motto: „Bevor ich dir Mist schenke, schenke ich den Mist wieder anderen“, wie wären da wohl die Reaktionen? Ich kann noch nicht mal den Humor diesbezüglich einschätzen, aber sollte mich das davon abhalten? Bei einem Geschenkkorb mit Lebensmitteln, kann es sein, dass es nicht schmeckt, bei Karten kann es sein, dass derjenige an dem Tag nicht kann, bei Kleidung, dass es nicht passt. Mit anderen Worten also gesagt, wäre es auch nur Mist und wenn ich Mist im buchstäblichen Sinne verschenke, wird sich auf jeden Fall wenigstens einer darüber freuen.

(Foto: https://unverpackt.oxfam.de/alle-geschenke/mist)

 

 

 

 

Facebookerfahrung die 16.

Screenshot_2017-04-25-18-11-16Tja, ich hätte vielleicht nicht fragen sollen. Aber sehr viel länger hätte es auch nicht dauern können. Was halte ich jetzt von der ganzen Sache? Ich glaube, wenn ich richtig verzweifelt wäre, würde ich mich auch an jedem Strohhalm festklammern, der an mir vorbeischwimmt, oder? Aber irgendwie kommt mir das auch bekannt vor. Das und die Ironie von Schicksal ist, dass mir zwei Tage später ein Eintrag von einer meiner sogenannten Freunde gezeigt wurde, er hat wohl einer Frau aus Bosnien, Russland, keine Ahnung Geld überwiesen, es war sogar für ihr Kind, es war auch nicht für ihn und dann hat er nichts mehr von ihr gehört. Und alle kommentierten, wie blöd man doch sein kann. Ja, das ist wieder so eine Sache, mit der ich meine Probleme habe. Ist Mitleid mit anderen, helfen zu wollen blöd oder ist es eher bemerkenswert? Im Grunde, wenn man Geld nach Afrika spendet, weiß man auch nicht, was Weiterlesen

Facebookerfahrung die 15.

Screenshot_2017-04-25-18-11-16Ich war so zufrieden mit mir, mit ihm, mit dem Ganzen, auch wenn ich das Ganze sehr verrückt fand. Ich meine, ich chatte da mit irgendjemanden auf der anderen Seite der Welt und bilde mir ein, dass er mich versteht, trotz der sprachlichen Barriere, das kann doch nicht sein. Aber es wurde immer mehr zu einem festen Telefontermin, so intensiv und so langatmig, dass sogar manche meiner Aufgaben liegen geblieben sind, weil ich ja telefonieren musste zu einer bestimmten Uhrzeit. Es gab sogar Auswirkungen auf meine Arbeit. Jetzt glaubt man vielleicht, dass ich zu müde, dass ich zu abgelenkt war. Nee, das war es nicht. Das Gegenteil war es auch nicht. Es war einfach nur so, als ob ich eine Rüstung hätte, eine Rüstung aus guter Laune, keiner kann mir was, egal wie blöd mir einer kommt, ich bin immer noch happy, schon fast gruselig happy. Und dabei versuchten so viele, so oft meine Laune zu sprengen. Wer hat nicht jemanden im Büro, der reinkommt und so eine Fresse zieht, dass man denkt, der Tag ist vorbei und sich dann gefühlt von meiner guten Laune hat anstecken lassen. Alleine das war diesen ganzen Aufwand wert.

 

Ich konnte nicht genug von ihm kriegen, das war wie eine Droge. Droge klingt so negativ, wie eine Medizin, wie ein Zaubertrank. Ja ich denke, Zaubertrank ist das richtige Wort. Und plötzlich da geht alles, die Grenzen des Möglichen können überwunden werden, man kann einfach alles. Natürlich weiß ich nicht, wie es ihm ging, aber es gab keinen Zweifel daran, dass es weniger sein könnte. Ganz im Gegenteil wenn wir verabredet waren zu einer bestimmten Uhrzeit, dann war er zu dieser Uhrzeit da, Punkt. Das kannte ich noch anders von meinen anderen afrikanischen Erfahrungen. Wenn ich mal nicht telefonieren konnte, so habe ich Ärger bekommen.

Und dann konnte er plötzlich nicht mehr telefonieren, sein Onkel hatte einen Unfall und da war er nicht zum verabredeten Zeitpunkt erreichbar, hinterließ mir nur eine Nachricht. Okay, natürlich tut mir das Leid und ich hoffe, dass es bald wieder gut ist, aber ich hätte auch gedacht, dass wir dann ganz normal weiter telefonieren können. Nein, er musste jeden Tag ins Krankenhaus. Das schränkte unsere Telefonzeiten stark ein und die Themenfelder genauso. Ich konnte es kaum erwarten bis diese Zeit vorbei war, aber wollte natürlich mit Trost und Verständnis zur Seite stehen, helfen soweit man kann.

Vielleicht hätte man das Wort helfen nicht ganz so groß schreiben sollen, denn irgendwann wurde mir auch erklärt, wie teuer das Krankenhaus ist, wieviel Geld man hätte und wie groß die Differenz ist und dass man wirklich nicht weiß, wie man das auftreiben könnte. Ich hätte ja keine Ahnung, wie es bei denen da ist, wir hätten ja viel mehr Geld als die. Anfangs wurde ich stutzig, aber hörte mir das vorerst nur an. Solange man mich nicht fragt, ist es eine ganz normale Unterhaltung und wenn man Geldsorgen hat, spricht man doch darüber, also ist das normal. Also hörte ich zu und dann wurde mehr darüber gesprochen und mehr betont, wie die Unterschiede zwischen unseren beiden Welten sind. Und dass man gar nicht weiß, was man machen soll und wie verzweifelt man ist. Irgendwann konnte ich nicht mehr, er drückte mich mit seinen Äußerungen an die Wand. Da habe ich ihn ganz offen gefragt, ob er mich nach Geld fragen würde. Und er meinte, wenn ich ihm helfen wollen würde, so würde er mich nicht davon abhalten.