Neue Erfahrung (26)

362829_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deAlles hat eine Ende nur die Wurst hat zwei. Oh jetzt habe ich es vorweggenommen wie der Brecht. Wie ging es mit Monsieur aus Gambia weiter? In der Türkei schon mal nicht. Schade. Dabei hatte man ein Jahr lang über nichts anderes gesprochen. Schon komisch wenn so eine ganze Ära zu Ende geht. Aber was für Möglichkeiten hätte ich sonst gehabt? Aus Gambia braucht mal ungefähr für Überall hin ein Visum. Es gibt nur vereinzelt Länder, wo er hätte visumfrei hinreisen können und diese sind wiederum Weiterlesen

Neue Erfahrung (4)

458627_web_R_by_Martina Taylor_pixelio.deEin Mann, der meinen Namen annimmt und das noch als Afrikaner, als Moslem. Ein guter Titel, den ich da ausgesucht habe. Eine ganz neue Erfahrung, zumindest denke ich mir das so. Für mich ist das jedenfalls neu. Wie sich herausstellen musste, nicht nur für mich. Das Blöde am Datenvolumen im Vergleich zum WLAN ist, dass man es zwischendurch ausschaltet. Das heißt, wenn Nachrichten eingehen, sieht man sie erst später. Und wenn ganz viele Nachrichten eingehen, sieht man diese dann plötzlich alle auf einmal. Ich fühlte mich förmlich überrannt, dabei war das Thema für mich zwar schön, aber irgendwie auch abgeschlossen. Aber nein, wie viele Nachrichten man auf einmal hinterlassen kann, unglaublich. Der hätte sich jetzt mit zig Leuten unterhalten und keiner von denen hätte was davon gehört, dass ein Mann den Namen seiner Frau annimmt. Warum überrascht mich das jetzt nicht? Ich meine hier gibt es doch auch den einen oder anderen Neandertaler. Ich muss es doch am besten wissen, mit einem recht großen Zweig bin ich auch selbst verwandt. Weiterlesen

Neue Erfahrung (3)

458627_web_R_by_Martina Taylor_pixelio.deWas für einen entspannten Urlaub ich doch hatte. Da wusste man es nicht, liegt es am Ort, liegt es am Wetter oder doch nur an meiner Grundeinstellung. Den entspanntesten Urlaub seit jeher. Und dazwischen sehr nette Gespräche. Nur die Wohnung, die ist klein und mein Gesprächspartner wies kein gutes Timing auf. Wenig Geduld und noch weniger Verständnis. Wenn er mich sprechen wollte, dann wollte er mich sprechen. Und das ist schwierig mit gefühlt zwei Räumen, einer davon offen. Ich habe, so weit es ging, versucht zu planen, aber wenn Einer einem nun was zu sagen hat, obwohl man schon miteinander fertig war, dann erweist sich das schon als schwierig. Weiterlesen

Neue Erfahrung (2)

458627_web_R_by_Martina Taylor_pixelio.deGesagt getan. Natürlich habe ich befürchtet, dass es nur funktioniert, weil er das versprochen hat. Aber es war wieder lustig, es war wieder interessant, es machte einfach nur Spaß. So viel Spaß, dass man nicht gemerkt hatte, wie die Zeit vergeht, als man nachts telefoniert hat bis 2 – 2:30 Uhr. Worüber man sich alles unterhalten hat. Mitunter fand ich am faszinierendsten die Unterhaltung, was denn unser jeweiliges Lieblingsobst ist. Wenn man sich über so etwas unterhalten kann, dann kann man doch daran ablesen, dass es wohl nichts gibt, worüber man sich nicht unterhalten könnte. Und ich war wieder tagsüber nicht müde, natürlich war ich müde, aber ich merkte es nicht. Und wenn dann im Büro jemand mal reinkam, der nicht so gute Laune gehabt hat, und wo man sonst immer dachte „Das war‘s jetzt, der Tag ist gelaufen“, so war es jetzt, dass ich nicht zu merken schien, dass es so etwas wie schlechte Laune geben kann. Und siehe da, nicht nur, dass nichts mehr meine gute Laune trüben konnte. Nein, sogar bei den launischsten und grummeligsten konnte meine gute Laune überschwappen. Und spätestens mittags waren diese dann gut drauf. Auch die, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie überhaupt gute Laune bekommen, als ob ihnen ein Gen fehlen würde, oder so. Weiterlesen

Neue Erfahrung (1)

458627_web_R_by_Martina Taylor_pixelio.deNeues Jahr, neuer Titel, aber im Grunde findet ihr hier die Fortsetzung der Facebook-Erfahrungen. Ich habe mich entschieden weiter zu berichten, vielleicht hatte man das schon in den vorherigen Texten gemerkt, denn es scheint zu einem Bestandteil meines Lebens, meines Bekanntenkreises zu werden. Weniger es, als Er. Auch wenn es immer noch unglaublich ist, deshalb auch der Titel. Ich betrete Neuland, egal was passiert, es ist neu. Und dann kenne ich das irgendwie schon, aber muss Neues in diesem Zusammenhang erfahren. Deshalb „Neue Erfahrung“. Und weil es auch nur noch Einer ist, keine Erfahrungen. Und ich hoffe, ich werde es nicht mit der Zeit bereuen, denn spätestens wenn ich zu den Facebookerfahrungen zurückkomme, wisst ihr, dass ich mir andere suchen musste.

Da, wo ich letztens stehen geblieben bin, da hätte ich nicht mehr gedacht, dass es noch weiter geht. Es war so anstrengend, er war so anstrengend, immer nur dasselbe Thema und ich fühlte mich so schlecht, weil ich nicht helfen wollte, aber ich wollte das durchziehen. Und er war so traurig, und immer irgendwelche Anspielungen oder zumindest habe ich das als solche gedeutet. Und dann macht auch sein Leben kein Sinn mehr, er würde nie etwas erreichen. Und immer wenn ich ihn aufmuntern wollte, hieß es, er wäre so traurig und er schickte mir Fotos von seinem traurigen Gesicht.

Ich glaube, ich hätte nicht durchgehalten, wenn ich nicht so ein Datum gehabt hätte, bis wann der Onkel aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte. Das war ja überschaubar, aber zwei Wochen können verdammt lange werden, wenn einer beschließt sich leid zu tun. Themenwechsel zwecklos. Wieder einmal die Frage, unterstützt man seinen Freund oder ist es einem zu blöd? Würde ich erwarten, dass er dasselbe für mich tut oder müsste er erwarten, ich komme nie wieder zurück? Und dann musste der Onkel eine Woche länger im Krankenhaus bleiben. Ja, die Medizin in Gambia, ich habe davon gar keine Ahnung, aber ich hatte einiges gegen sie. Das Gute dabei ist, längere Zeit die Rechnung zu begleichen, das Schlechtere es handelte sich nun dabei um eine höhere Rechnung. Noch mehr Gejammer, juchu. Und da musste er in der Gegend rum fahren und Leute um Geld bitten. Und auch hier sah ich einen kleinen Vorwurf in meine Richtung. Auch als es hieß, dass die Leute nichts im Gegenzug erwarten würden und dass es ganz einfach wäre. Und wieder die Frage, dran bleiben oder Nummer wechseln? Ja, da merkte ich, auch Männer können zickig sein. Aber ganz ehrlich, klingt vielleicht komisch, aber ich konnte es irgendwie nachvollziehen und entschied mich fürs Dranbleiben. Ich habe zwar nicht mehr so ganz häufig von mir aus angerufen, aber ich habe mit ihm telefoniert, wenn er mich angerufen hat. Ich war gespannt, wann sich das erledigen würde, wann er keine Lust mehr hätte, weil nach wie vor habe ich kein Geld geschickt. Ich blöde Kuh, ich.

Das musste ich ihm zu Gute halten, man konnte ihm anmerken, dass er das alles nicht so gut fand, aber beleidigt hat er mich nicht. Und trotzdem war er so anstrengend, ich habe die Tage gezählt. Dann war der Onkel endlich raus, Gott sei Dank. Schön für den Onkel, aber ich habe mich wahrscheinlich noch mehr gefreut als er. Ich war natürlich gespannt, wie denn das Problem geklärt werden konnte, wo es doch vorher so gar keine Lösung gab. Siehe da, einer meiner zahlreichen Vorschläge konnte doch noch umgesetzt werden und er hieß Zahlungsaufschub. Obwohl das vorher so unmöglich war, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Habe ich mir doch gedacht, dass es in Gambia auch eine Behandlungspflicht gibt. Angeblich hatte er die Idee von Anfang an, nicht nur weil ich sie hatte. Er hätte das nur gerne auf anderem Wege hinbekommen, geschenkt.

Egal, ich war erst mal gespannt, wie es weiter gehen würde. Wir hatten ein Wörtchen miteinander zu reden und als ich merkte, dass es ihm wieder besser geht, habe ich ihm ganz deutlich und ganz ehrlich meine Meinung gesagt. So Dinge wie zum Beispiel, dass, wenn er sich so verhalten hätte, wie er sich die letzten Tage verhalten hat oder gar Wochen, dann würden wir nicht mehr miteinander reden. Es war furchtbar und ich will das nie wieder mitmachen müssen. Es wäre vorher so nett gewesen, so lustig, so unterhaltsam, so interessant und dann war das alles plötzlich weg und er war gar nicht mehr zu erreichen. Und dass ich mich regelmäßig anzicken lassen musste, und er teilweise mit seinem Verhalten zu weit gegangen ist. Das täte ihm alles leid, aber ich müsste verstehen, das wäre so eine schwierige Zeit für ihn gewesen und er hätte sich Sorgen gemacht und es täte ihm leid. Und er bat mich, ihm noch eine Chance zu geben, ich würde es nicht bereuen. Er könnte sich mir gegenüber wieder so verhalten, wie er es vorher getan hat. Und da war es wieder, ich wollte nicht, dass er sich mir gegenüber so verhält, wie ich es gern wollte, sondern dass er authentisch ist. Nun war ich also gespannt, ob er sein Versprechen einhalten würde und wie das dann aussieht. Eine Frage in diesem Zusammenhang ist, ob ein zickiges, selbstbemitleidendes Verhalten nicht schon authentisch ist?

(Martina Taylor / pixelio.de)