Eine außergewöhnliche Meise

MeiseamVogelhausDIch habe ein kleines Vogelhäuschen, nein damit ist nicht mein Kopf gemeint. Es ist wirklich nur ein kleines Vogelhäuschen, aber es ist so süß und seine Pensionsgäste umso süßer. Mit ihren gelben Bäuchlein, schwarz-weißen Köpfchen ich glaube die haben gar keinen Hals, was sie noch niedlicher macht, wenn sie sich umschauen und diese kleinen niedlichen schnäbelchen, die man durchs Fenster kaum erkennen kann. Die sind einfach so süß, aber vielleicht sollte ich jetzt aufhören. Ach nee, einmal geht noch. Wenn die dann kopfüber an der Meisenknödeln hängen, ach wie süß.

Irgendwann fiel mir auf, dass einer von den beiden oder vieren, es wurden immer mehr, nur ein Bein hat. Ich dachte, ich würde den Vogel nie wiedersehen. So im Sinne von Darwin, der Selektion, die Natur ist hart, aber gerecht, nur der Stärkste überlebt usw. . Ich glaube, man kann sich vorstellen, was ich meine. Was heißt das für mich? Im Laufe meines Lebens wurde ich mit der Idee konfrontiert, dass es die Vorstellung gibt oder vielleicht doch nur gab, dass jemand wie ich und andere auch der Selektion zum Opfer fallen müssten. Was zeichnet lebenswertes Leben aus? Der Vogel kam auch heute noch geflogen. Vielleicht ist die Natur fairer und nicht so hart, wie man ihr das nachsagt. Auf jeden Fall ist sie nicht so einfach zu verstehen und ihre Wege unergründlich.

Wenn ich Lapidares in den Nachrichten sehe, freue ich mich, weil ich dann weiß, dass es keine Kriege, keine Naturkatastrophen an diesem Tag gab. So habe ich diese Woche erfahren, dass man jetzt endlich weiß, wie Falken jagen. Irgendwie scheinen sie, so interessant fand ichs dann doch nicht, um eine Kurve zu fliegen und ihrer Beute den Weg abzuschneiden, keine Ahnung. Ich meine, jetzt gibt’s so was wie Bionik. Spätestens seitdem müsste man sich an die Komplexität der Möglichkeiten der Tierwelt gewöhnt haben. Und Täuschungsmanöver zur Jagd kamen mir auch irgendwie schon bekannt vor. Zumindestens wissen wir jetzt, warum es Falken überhaupt gibt und warum sie nicht ausgehungert sind. Ich weiß, es heißt ausgestorben, aber es heißt an dieser Stelle dasselbe und beinhaltet sogar eine Begründung.

Apropos Lebewesen, die ihrer Nahrung überlegen sind. Und auch zur Natur, die ihre Kreationen mit komplexen Fähigkeiten ausstattet. Der Mensch ist ein Herdentier. Ist es dann noch abwegig, als Herde für die Schwächsten zu sorgen? Es widerspricht der Natur nicht, Defizite des Einzelnen, wenn er denn durch diese geschwächt ist, auszugleichen. Ganz im Gegenteil, es ist sogar mit der Natur, um genauer zu sein durch die Natur, denn die Natur gab dem Menschen die Fähigkeit, diese Defizite zu überbrücken. Und so beobachte ich jeden Tag aufs Neue, fasziniert die kleine Meise an meinem kleinen Vogelhäuschen. Sie wackelt mehr wenn sie auf dem Rand der Blumenkübel sitzt als andere, wenn sie an dem Knödel hängt, schlägt sie wild mit ihren Flügeln. Aber sie kämpft sich durch. Ist ihr Leben weniger wert als das der anderen Meisen?

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