Neuer Job

680144_original_R_K_by_Stefan Bayer_pixelio.deIch hab einen neuen Job. Ich arbeite jetzt an der Telefonauskunft der Ausländerbehörde. Nun ja, der Satz hat es in sich. Mit der Telefonauskunft: erstmal müsste man Auskunft geben. Aber im Grunde verweise ich nur darauf, dass ich das nicht entscheide, und nichts dazu sagen kann. Ich mache nur die Termine. Die Informationen, die die Leute seltsamerweise von einer Auskunft erwarten, ja dafür hätte ich ehrlich gesagt eine Schulung haben müssen. Und auch in dem oben stehenden Satz, das Wort „arbeiten“ ist eigentlich auch falsch. Obwohl: mittlerweile schon. Früher da war es anders. Ich sollte mir die Tätigkeit erstmal logischerweise ansehen, aber wie lange sollte das dauern? Eine Woche? Zwei? Ich sollte erstmal nur zuhören. Ja. Bei der … nennen wir sie mal Maggie von Margarethe. Am Namen lässt sich schon erkennen, dass das Baujahr im letzen Jahrhundert liegt. Ok meins auch, aber ich hoffe man versteht was ich sagen will. Sie telefonierte mit den Leuten, ich hörte zu, die ganze Zeit. Die wollten dies, die wollten das, und sie hat irgendwo drauf geklickt und fragte, ob ich das gesehen hätte. Und dann regte sie sich natürlich über die Leute auf. Tag ein, Tag aus. Die Informationen, die man da geben muss sind das Wesentliche, nicht das Telefonat als solches. Sie fand auch meine Fragen seltsam. Sie fühlte sich von mir sogar provoziert. Also habe ich versucht meine Fragen auf ein Mindestmaß zu beschränken, auf der anderen Seite habe ich befürchtet, wenn ich so gar nichts mehr frage, würde das als fehlendes Interesse gedeutet werden.

Tag ein, Tag aus. Ich dachte ich werde wahnsinnig. Ich versuchte ihr das zu erklären, aber da kam ich nicht gegen an. Sie hat einen Compagnon. Diesen Compagnon nennen wir mal Melli. Also bitte nicht wundern, wenn ich sie dann später M&M nenne. Bei Melli stellte sich mit der Zeit heraus, dass sie gar nicht so viel länger da war als ich und sie ihre Aufgabe in diesem Team, beziehungsweise sozusagen Leidenschaft, gefunden hatte. Ihre Aufgabe war es, Maggie gut zuzusprechen, sie zu verteidigen, ihrer Meinung zu sein. Auch widerum mit der Zeit stellte sich heraus, dass es sich meistens nur auf die Zeit einschränken ließ, in der Maggie dabei war. Auch so verwirrend. Da fragt man, „Wie macht man das in dem Programm, kann man das auch so und so machen?“ Maggie natürlich keine Ahnung von irgendwas, was mit dem Teil vor ihr zu tun hatte, sie konnte nicht mal zu Ende aggressiv reagieren und schon kam ihr Melli dazwischen. Sie sprang durchs Bild als ob ich schießen würde und sie die Kugeln abfangen wollen würde. Das müsste ich verstehen. Maggie kennt sich nicht so gut aus mit Computern, das muss sie auch gar nicht, dafür sind wir da. Jeder von uns hat seine Talente und die Maggie, die weiß über alles Bescheid und sie hilft uns, die ausländerrechtlichen Fragen zu beantworten, während Melli das alles mit dem Computer macht. Mein Gott, hatte ich damals eigentlich einen Text geschrieben über mich und meinen Ex vor Gericht? Sein Anwalt war energisch, viel energischer als das es für mich gut gewesen wäre, aber nicht so energisch wie sie. Dabei wollte ich doch gar nichts Böses, aber sie nahmen das als Angriff, und sie waren zu zweit.

Beschweren wäre kindisch und blöd gewesen, aber bei wem denn auch? Leider war der Vorgesetzte zu dem Zeitpunkt als ich gewechselt habe im Urlaub und nichts greifbar. Zwischenzeitlich habe ich gedacht :Mein Gott, wenn die Maggie bald in Rente geht, könnte ich doch vor ihr gehen, dann würde ich ihr erklären wie man das macht und sie würde mich doch noch mögen. Oder wie ist das mit den Angestellten in Behörden? Ist das nicht sogar ein Klischee, dass sie alle ein Alkoholproblem haben? Vielleicht könnte ich es damit versuchen? Ich hatte so Kopfschmerzen, als ich von der Arbeit kam. Immer nur zuzuhören, wie andere Leute was machen und sich den Kopf zu zermattern, dass man bloß nicht zu viel sagt, fragt, aber dann doch wieder nicht zu wenig. Ich weiß gar nicht, ob das nicht vor dem ersten Anruf war, den ich entgegen genommen habe, dass mich die harmoniebedürftige Melli darauf hingewiesen hatte, dass ich gegebenenfalls wechseln sollte, wenn der Job nichts für mich ist. Aber wie soll man das einschätzen können, wenn man den Job noch nicht gemacht hat? Nach ihr hätte ich das auch Wochen, Monate mit anhören müssen, bis ich hätte selbst den Versuch starten können.

Und die sind sich immer so schön einig. Ich glaube dieser Kollegentyp ist gar nicht so selten. Dieser Kollegentyp, der zwar immer bestätigt und immer freundlich ist, und immer harmoniebedürftig, aber bei dem man das Gefühl hat, sobald er den Windschatten verlassen kann, wird er überholen.

(Foto: Stefan Bayer / pixelio.de)

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