Zeugnisse und ihre Opfer

584732_web_R_K_by_Stefan Bayer_pixelio.deManchmal frage ich mich, wie mein Zeugnis als Mutter aussehen würde. Manchmal habe ich das Gefühl, ich reiche den Anforderungen nicht. Manche, oder besser gesagt einer, verspricht sich vielleicht eine andere Art der Mitarbeit. Die Frage ist, ob es meine Aufgabe als Mutter ist, meinem Kind immer nur Verständnis entgegenzubringen oder ob ich es anspornen muss. Jetzt habe ich den Eindruck mein Sohn könnte mehr aus sich machen, als er tut. Ist es mein Wunschdenken oder ist es noch eine objektive Einschätzung? Besteht nicht immer Optimierungsbedarf? Mir wird oft vorgeworfen, von einem der lieber Fernsehen guckt, ich wär zu streng und würde es übertreiben. Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll, wenn mir 2 Wochen vor der Zeugnisausgabe versucht wird, mir der Gedanke näher zu bringen, dass gegebenenfalls unter Umständen vielleicht das Zeugnis nicht ganz so nach meinen Vorstellungen wäre. Dann versuche ich einfühlsam zu sein, doch das Grinsen, was mir entgegengebracht wird, lässt mein mütterliches Verständnis relativieren.

Woran erkenne ich denn, wann ich zu viel Druck mache und wann dieser Druck notwendig ist, um die Gehirnzellen vor dem Verkalkungstod zu retten? Ab welcher Druckintensität schade ich meinem Kind und woher kommt dieses Grinsen dann dabei? Ich hab dann einen Mittelweg gefunden, der nach längerer Überlegung die Inspirationsquelle für einen Erziehungsratgeber sein könnte. Achtung, jetzt kommts: „Eltern sind nicht enttäuscht von den Noten, sondern davon, dass ihre Kinder nicht ihr Bestes gegeben haben“. Ich denke, das ist ein guter Kompromiss. So sind die Kinder in der Klasse gerechtfertigt, die kein 1-mit-Sternchen-Zeugnis haben. Und ich habe trotzdem eine Erklärung dafür, wenn ich der faulen Socke die Hölle heiß mache. Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich froh sein, dass er nicht weiß, wo meine Zeugnisse aufbewahrt werden. Mit diesem Wissen würde wahrscheinlich ein noch phlegmatischeres Arbeitsverhalten an den Tag gelegt werden. Und somit muss man doch zugeben, dass es in der Natur der Eltern ist, sich nicht mit dem Nötigsten abzufinden. Und die Natur der Kinder ist es nun mal, sich über die Auswirkungen nicht so viele Sorgen zu machen. So war ich selbst auch. Aber was wäre wenn?

Und dann kam das Zeugnis. Und meine Kinderkenntnis ist sehr gut. Nur eine Zusammenfassung im Sinne seiner Privatsphäre und meinem Seelenfrieden, im Zeugnis stand dann: Hans-Dieter Jürgen fehlte es an Motivation, Konzentration und Engagement. Das ist nur meine persönliche Kernessenz, die ich rausgezogen habe. Ich wette , da war noch irgendwo ein „selten“ „manchmal“. Vielleicht nur weil ich doch zu streng bin. Oder soll ich das Ganze positiv sehen? Und mich darüber freuen Recht behalten zu haben und das nicht nur subjektiv, sondern gestützt durch die Facheinschätzung eines Pädagogen. Ich werde jetzt mit ihm vielleicht die positiven Formulierungen grün anstreichen und die negativen rot. Vielleicht wird mir dann bewusster, dass es vielleicht nicht so schlimm ist und ihm, dass noch Handlungsbedarf besteht. Ehrlich, auch wenn ich jetzt über die Einschätzung des Pädagogen glücklich bin, so kann ich die Zeugnisse mit den Noten kaum erwarten. Ich verstehe nicht, wozu das Ganze dienlich sein soll mit den formulierten Zeugnissen und das noch in der dritten Klasse. Die Noten kommen früher oder später ja sowieso. Da sind die armen Kinder nicht vor bewahrt, sondern das ganze ist nur aufgespart. Und wie soll ich meinem Kind mit einer solch komplexen Formulierung erklären, dass der Fachmann not really amused ist? Ich hoffe, das nächste wird dann wirklich mit Noten sein, aber das hoffe ich schon seit der zweiten Klasse. Es ginge sicher auch schlechter, aber ich will halt besser. So bleibt es spannend.

(Foto: Stefan Bayer  / pixelio.de)

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