Neue Erfahrung (18)

362829_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deTja, Nacktfotos schon wieder. Was sagt man dazu? Das dumme ist, diese habe ich nicht selber gefunden. Ich wollte das nicht mehr weiterverfolgen, wollte es vielleicht gar nicht wissen, es interessierte mich nicht. Davon mal abgesehen, dass ich zu wenig Internet begeistert bin, eigentlich bin ich eher old-school, meine Facebook Seite oder mein Facebookaccount ist ja auch nicht koscher. Was meine ich damit? Nun ja, die setze ich auch nur ein, um Werbung für meinen Blog zu machen. Da kann es auch schon mal sein, dass Kommentare unter meine Fotos gesetzt werden, die ich nicht unbedingt brauche, aber egal. Ich wurde von meiner Assistentin auf die Nacktfotos aufmerksam gemacht.

Da hatte ich gar keine Zeit mehr darüber nachzudenken, wie ich darauf reagieren möchte. Es war plötzlich jemand anderer in die Sache hineingeraten. Wie es dazu kommen konnte, nun das weiß ich nicht mehr. Die Nacktfotos kommen mir bekannt vor. Es waren dieselben Fotos, die ich schon kannte und zwar von Facebook mit dem Unterschied jedoch, dass dieselben Fotos jetzt auf Instagram zu sehen waren. Und wieder mal diese Fotos, diese Fotos von denen ich nicht wusste, was ich von ihnen halten will, diese Fotos, die ein komisches Gefühl bei mir auslösten. Die Fotos, von denen ich dachte, dass sie nur für mich alleine gemacht worden sind. Schließlich haben wir nichts voneinander, außer Stimme und Fotos. Ist es dann schon sowas wie fremdgehen? Oder ist es so legitim? Und wie war das mit dem neuen Medium? Das wurde mir dann auch, wie sagt man, „unterstellt“? Nein, „unterstellt“ ist das falsche Wort. Vorgeworfen, ist auch nicht richtig. Vielleicht trifft es am ehesten “in den Kopf gelegt“. Doch, ich denke, das ist der richtige Ausdruck. Und es war gar nicht so unberechtigt. Ich meine, wenn man ehrlich sein möchte muss man doch davon ausgehen, dass es eine Art von Betrug ist, wenn man die Fotos, die ich nicht mehr auf Facebook sehen möchte, dann löscht und sie auf einen anderen Account, von dem ich nichts weiß, wieder hoch lädt. Das sollte mir doch mehr zu denken geben.

Wie soll ich mit sowas umgehen? Und die Erklärung dazu konnte mich nicht ruhiger stimmen. Wie war sie gleich noch? Er wollte sie nur abspeichern, so für sich. Wer braucht schon Nacktaufnahmen von sich selbst? Da ist nur die logische Erklärung, dass er die Fotos braucht, um sie an andere weiterzuleiten. In dem Fall brauchte man sie gar nicht mehr weitergeleitet zu bekommen, man konnte einfach so mal draufgeht, um zu sehen was der Herr zu bieten hat. Oder war es doch nicht so schlimm? Die Stimmung kippte jedenfalls. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Er fand es nicht schlimm. Und die Assistentin, die das sonst immer so unterstützte und romantisch fand, fand es jetzt nur noch furchtbar. Und ich? Ich hatte schon den Urlaub gebucht. Gar kein Problem, schließlich könnte ich ja auch ohne ihn Urlaub machen, sagte sie. Aber ich wollte jetzt gar keinen Urlaub mehr machen, das ging jetzt alles viel zu schnell oder ich hatte Angst, da im Urlaub zu sitzen und mir dauernd zu überlegen, das hätte ich jetzt mit ihm gemacht, und hier gleich auch mit ihm gelegen und eigentlich hatte ich ganz was anderes vor. Am liebsten hätte ich gerne alles abgesagt, aber dafür war schon zu spät. Und wer weiß, vielleicht könnte man/er die nächsten Wochen dazu nutzen, alles zu verdauen. „Alles“ wie: dass es nicht geklappt hat, dass ich doch verarscht wurde, das alles keinen Sinn hat und dass man das hätte von Anfang an wissen können. Jetzt war es ja auch zu spät.

Ich wusste einfach nicht, was ich denken sollte. Schließlich telefonierten wir schon ein ganzes Jahr oder so ähnlich. Manchmal sogar mehrmals täglich stundenlang. Sollte das alles nicht wahr sein oder nur ein Fake. Ich war mir so unsicher, ich gucke mir also erneut seine Freundesliste bei Facebook an. Er hatte keine Freunde mehr noch nicht mal die Schwester oder die Schwestern oder den Bruder, gar keinen mehr. Was allerdings hatte, waren Personen die er abonniert hatte. Und die hätten als Freunde nicht schlimmer sein können; ältere Frauen, jüngere Frauen, Frauen mit Kindern, Frauen aus Deutschland, sogar Frauen aus Polen waren dabei, Frauen die Kinder mit Afrikanern hatten, Frauen die sich und ihre Reize gerne zur Schau stellten, um es höflich zu formulieren. Wirklich, da war einfach alles dabei. Was soll ich davon halten? Natürlich habe ich ihn darauf angesprochen. Die Erklärung dafür war schon so schlecht, dass sie war sein konnte. Er wollte, nun ja wie gebe ich das jetzt wieder, dass man das auch wirklich versteht. Er wollte wissen, wie sich Frauen verhalten, was Frauen interessiert. Und das Schlimmste dabei war, ich muss es so hinnehmen. Bei genauerem hinsehen hatten einige dieser Frauen, was mit mir gemeinsam. Wie die älteren da reinrutschen konnten, keine Ahnung. Kleiner Witz am Rande. Aber die anderen? Entweder ein Kind oder aus Polen. Hatte ich schon erwähnt, dass auch Frauen mit einer Behinderung dabei waren? Ich weiß, blöde Erklärung, aber dass ich dabei war, wie er mir das erklärte, wie überzeugt er davon war, dass er alleine durch das Folgen dieser Frauen mehr über die weibliche Seele erfahren würde, ließ mich zweifeln. Zweifeln an so ziemlich allem, dass er in der Lage wäre, das ganze durch zu kalkulieren, dass er ein schlechter Kerl wäre und vor allem, dass ich in der Lage wäre, diesen komplexen Sachverhalt zu verstehen. Ich zweifelte einfach an allem.Was das ganze nicht einfacher für mich machte.

 

(Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

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