Eine Bahnfahrt die ist …

SAMSUNG CAMERA PICTURES… aufwendiger als man denkt. Ich wollte nach Köln fahren. Davon mal abgesehen, dass es mit der S-Bahn länger dauert als mit dem RE, waren sie bei den REs so richtig richtig clever und haben die Rampen direkt in den Zug gebaut. Jetzt kann man theoretisch überall da aussteigen, wo man lustig ist. Natürlich nur da, wo es Aufzüge gibt, aber das versteht sich von selbst. Bei der S-Bahn hätte man hingegen das Problem gehabt, Gleis zu hoch, Gleis zu niedrig usw. Und so ein elektrischer Rollstuhl ist nur flexibel in der Auswahl zwischen „schnell“ und „langsam“, nicht bei „Stufe rauf“ „Stufe runter“.

Die Deutsche Bahn bzw. deren Mitarbeiter scheinen die Flexibilität, die sich ihnen durch die REs bietet, nicht zu schätzen zu wissen oder besser gesagt, vielleicht gönnen sie sie mir nicht. Dann war ich 20 Minuten bevor mein Zug kam, da, und hab gesagt, dass ich in den Zug blabla um blabla nach blabla Einstiegshilfe brauche. Da war es wieder, der Grund warum ich so gerne mit Zügen fahre. Ich dachte, das hätte sich in den letzten paar Jahren, in denen ich keinen Grund hatte, mit diesem Rollstuhl die Stadt zu verlassen, geändert. Aber nein, die möchten das immer noch angemeldet wissen. Da wurde ich sogar angezickt, dass man nicht wissen würde, ob man überhaupt jetzt die Zeit hätte, mir in den Zug zu helfen. Gott sei Dank war es dann doch möglich. Was für ein Wunder.

Ne kleine Anekdote zum Thema eine Zugfahrt vorher anmelden. Jetzt bin ich ja auch nicht ganz so doof. Als ich mal vor einigen Jahren fliegen wollte, war ich so clever und hab das vorher angemeldet, weil ich dachte mit Kind, Kegel und Gepäck und Schieberollstuhl wäre es nicht so ganz so flexibel zur Info und dann zum Gleis zu huschen. Davon abgesehen, dass es jedes Mal aufs Neue spannend ist, ob der Zug kommt, bevor ich in der Schlange an der Reihe bin zu sagen, dass ich mitfahren möchte. Da rufe ich an, Hotlines sind so schön. Die alternativ freundliche Frau erklärte mir doch tatsächlich, dass sie meine Nummer bräuchte, falls sie nochmal anrufen muss, um mir zu sagen, dass es doch nicht klappt. Und sie wurde eher alternativer als freundlicher, als ich sie dann gefragt habe, was dann mit meinem Flug ist. Und das war 2 Wochen vor dem besagtem Tag. Ich bringe es mal auf den Punkt, ich wurde ungefähr genauso angezickt, wie wenn ich spontan erkläre, reisen zu wollen.

Ich könnte jetzt vielleicht sagen, dass das Schönste an Köln ist, dass man es wieder verlässt. Nee, so schlimm war es nicht, aber wenn ich an die Zugfahrt denke, die dann vor einem liegt, verdirbt es einem fast den Tag. Und dabei liegt es gar nicht so sehr an der Zugfahrt selbst, ich mag Zug fahren, es wirkt irgendwie auf mich beruhigend, um nicht zu sagen einschläfernd, diese monotone schaukelnde Bewegung. Wobei kann ja sein, dass ich das nochmal anders zu spüren bekomme, da dies nicht spurlos an meinen eigenen Stoßdämpfern vorbeigeht. Also wieder 25 Minuten vor der Zugfahrt Bescheid geben. Ich meinte noch zu meiner Assistentin „in Köln sind die chilliger“. Ja, Tatsache ich wurde nicht wirklich angezickt, aber die Superantwort war auch hier zu vernehmen, wahrscheinlich steht das schon im Arbeitsvertrag, wenn du einen im Rollstuhl siehst, der dir sagt, er möchte Zug fahren, dann sollst du antworten, „das müssen Sie aber vorher anmelden“. Eins der wahrscheinlich vielen Bahngebote. Ich hatte Glück, es lag schon eine Anmeldung vor, wobei ich in dem Moment dachte, sie sagt jetzt „nur einer pro Zug“. Aber wie gesagt in Köln sind sie chilliger und das Argument fiel weg, „wir wissen nicht, ob wir das zeitlich hinkriegen, ob einer frei ist und so“.

Dann kommt der Zug. Mitarbeiterin da, Zug da, Rollstühle da, es hätte so einfach sein können. Dann stellt sich heraus, die Frau vom Bahnhof darf den Schlüssel nicht bedienen, der die Rampe ausfahren lässt, wir müssen alle auf den Schaffner warten. Der Zug droht Verspätung zu haben. Der Schaffner kommt nicht. Die Bahnhofsmitarbeiterin muss ihn suchen gehen. Alles winken hat nicht geholfen, andere müssen die Türen aufhalten, damit der Zug nicht ohne uns losfährt. Habe ich schonmal erwähnt, dass eine Anmeldung vorlag, auch wenn sie nicht von mir war? Dann findet sie den Schaffner, er betätigt den Schlüssel und die Rampe kommt uns entgegen. Während ich warte, dass die andere Frau im Rollstuhl in den Zug fährt, höre ich wie der Schaffner der Mitarbeiterin erklärt, dass er von den Rollstühlen nichts wusste und dass die Anmeldung ihm nicht vorlag.

Vielleicht, wenn die Bahn Geld einnehmen möchte, sollten sie Rollstuhlfahrer nicht umsonst reisen lassen, anstatt eine Hotline einzurichten und vor allem man würde sich nicht vorkommen, wie ein Passagier 2. Klasse, witzigerweise gibt’s auch keine Möglichkeit mit dem Rollstuhl in der 1. Klasse zu sitzen, vielleicht ist das auch schon der Wink mit dem Zaunpfahl. Ich für meinen Teil hätte lieber einen Fahrschein als einen Duldungsstatus. Bin ich zu streng oder ist das nachvollziehbar?

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